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nahm Lamont auch Cassel in die Reihe der Beobachtungsorte auf. Er stellte seine Messungen*) am 30. August 1858 in der Nähe der früheren sog.„Kaffeemühle“ am Abhange der nordwestlich von Kassel befindlichen Anhöhe an und zwar an zwei Stationen A und B, welche zwischen der mit Bäumen bepflanzten Hauptstrasse(östlich) und der alten Strasse(westlich) und zwar A 33 Schritte von der letzteren, B 100 Schritte von der ersteren entfernt lagen. In dem Dreieck, welches die Stationen mit dem Thurme der Martinskirche bildeten, waren gemessen worden A= 104°7,9 und B= 72⁰56,4 und als Entfernungen vom Thurme berechnet worden für A 5270 bayer. Fuss, für B 5345 bayer. Fuss. Die geographischen Positionen wurden auf Grund der geodätischen Coordinaten jenes Thurmes(51519˙6,509 bezw. 27⁰9,56“,956) bestimmt für A 51019,49 ,033 n. Br. 27010˙33 ,569 ö. v. Ferro, „ B 5191948,381„„ 27910˙37,,701„„„ Lamont erhielt(a. a. O. p. 50) folgende Resultate: Horizontale Intensität... 1,8271, Deklination....... 16⁰23 3 westlich, Inklination..... 67⁰10,7 nördlich, welche Werte für 1858 Januar 1 gelten sollen.
Hierbei ist aber zu berücksichtigen, dass die Beoabachtungen keine absoluten waren, sondern aus ihnen direct nur die Differenzen mit dem Werte der entsprechenden Elemente in München sich ergaben. So ist von Lamont namentlich die Inklination nicht mit einem In- klinatorium oder einem Erdinduktor bestimmt worden, sondern aus dem Winkel, um welchen vertikale Eisenstäbe eine freihängende Magnetnadel ablenkten**). Es musste dann vorausgesetzt werden, dass diese Eisenstäbe dieselbe Induktionsfähigkeit besassen, wie nachher in München.
In späterer Zeit scheinen Inklinations-Beobachtungen nicht wieder gemacht, wenigstens nicht veröffentlicht worden zu sein. Die Durchforschung der Litteratur sowie Erkundigungen bei Fachkollegen haben einen negativen Erfolg gehabt. Auch mag an dieser Stelle erwähnt sein, dass unter den physikalischen Constanten an der meteorologischen Säule auf dem hiesigen Friedrichsplatze die Inklination für Kassel fehlt, während die Deklination(zu 13⁰48, für 1879) angegeben ist.
§ 2. Das Instrument, mit welchem unsere Beobachtungen angestellt worden sind, ist ein von dem mechanischen Institute von F. w. Breithaupt u. Sohn dahier zu diesem Zwecke für das physikalische Kabinet der hiesigen Realschule konstruirtes Inklinatorium.
Der vertikale Kreis hat im Lichten den Durchmesser 123,5 Millimeter und ist von 30 zu 30 Minuten getheilt; der Abstand zweier Theilstriche beträgt daher 0,55 mm. Die Grade dieses Kreises sind von beiden Endpunkten des horizontalen Durchmessers an nach oben und nach unten von 0 bis 90 gezählt.
Der Horizontalkreis hat einen lichten Durchmesser von 95,5 mm, der Durchmesser seines Theilungskreises beträgt 101,5 mm. Letzterer ist ebenfalls in halbe Grade getheilt und zwar mit ununterbrochener Durchzählung von 0° bis 360⁰°. Ueber ihm bewegt sich eine Alhidade mit Nonius, welche mit dem Vertikalkreise fest verbunden ist und die Stellung des letzteren auf dem Horizontalkreise bis auf Minuten zu bestimmen gestattet.
Zum Horizontalstellen dient eine Dosenlibelle mit dem Durchmesser 29 mm, deren Blase 8,33 mm breit ist.
Den Vertikalkreis umgiebt ein Glasgehäuse, dessen vorderer Theil mittelst eines Charniers leicht zu öffnen und zu schliessen ist. Dass der ganze obere Theil mit Horizontal- drehung und Festklemmung versehen ist, liegt schon in dem oben Gesagten.
*) cf. Lamont, Untersuchungen über die Richtung und Stärke des Erdmagnetismus in Nord-Deutschland, Belgien, Holland, Dänemark im Sommer 1858 ausgeführt und auf öffentliche Kostenm herausgegeben. Mit 3 Tafeln und 6 Karten. München, 1859. 40.
**) Näheres über die gebrauchten Apparate siehe in der Einleitung des Lamont'schen Werkes„Unter- suchungen über die Richtung und Stärke des Erdmagnetismus im südwestlichen Europa“(München 1858) und über die Methode vergl. Lamont in Dove's Repertorium VII oder Müller, Kosmische Physik oder Wällne T. Lehre v. d. Mag. etc. 1872 p. 114 u. A.


