Aufsatz 
Der Schulgarten der höheren Mädchenschule zu Giessen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5

schreiben und Ordnen gegebener Formen, so sehr es auch das Unterscheidungsvermögen und das Urteil der Kinder fördert, muss sich notwendigerweise das in biologischer Hinsicht Beachtenswerte gesellen, dann wird sich der botanische Unterricht ganz anders gestalten, dann wird von einer trockenen und langweiligen Be- schäftigung keine Rede mehr sein, und die botanischen Stunden werden mit einem Male die anregendsten werden. Und wenn der Lernende an der Hand eines tüchtigen Lehrers, eines wissen- schaftlich gebildeten Botanikers durch fortwährendes Selbstunter- suchen und Selbstbeobachten allmählich auf die Stufe gelangt ist, die Lösung der zahlreichen Rätsel, die unsere Pflanzen darbieten, sich zu ermöglichen oder dieser Frage wenigstens näher zu treten, wenn er mit Hilfe seiner erreichten Kenntnisse sich daran gewöhnt hat, immer neue Wunder in der Pflanzenwelt zu entdecken, dann hat die Schule den richtigen Grundstein gelegt und die ihr zu- fallende Aufgabe, zur sinnigen Betrachtung der Pflanzen anzu- regen und die Liebe zur Natur zu erwecken, gelöst, und der Schulgarten, wie wir ihn anstreben und im Auge haben, worin das Einführen in die Pflanzenwelt stattfand, wo die Organe, die Lebensbedingungen und Funktionen der Pflanzen zu möglichst klarer Auffassung gebracht und ihre verschiedenen Vegetations- phasen ungestört beobachtet wurden, hat unseren Zweck, eine Be- reicherung des Geistes und eine Veredelung des kindlichen Ge- mütes zu bewirken, erfüllen helfen.

Unser Schulgarten, dessen schwerer lehmiger Boden durch wiederholte Zufuhr von Dünger nnd Sand im Laufe der Jahre schon wesentlich verbessert worden ist, bedeckt eine Fläche von ca. 500 qm und liegt zur gedeihlichen Anzucht von Pflanzen nach NO, W und teilweise auch nach S im allgemeinen günstig expo- niert. Mehrere ca. 20 jährige Lindenbäume spenden den für die Kultur der Waldflora notwendigen Schatten.

Bei Anlage der einzelnen Beete auf dem eigentlichen System

A, das durch Kieswege in 4 Felder geteilt ist, die ringsum von Holzrahmen eingeschlossen sind(siehe beigeftigten Plan 2), und wo ausser den bekanntesten Küchen- und Nutzpflanzen noch solche wild- wachsende Exemplare Platz fanden, die sich zur Lieferung in grösse- ren Mengen für den Unterricht eignen, wurde auf die wissenschaftlichen Grundsätze, die Verteilung der Pflanzen möglichst nach ihrer natür- lichen Verwandtschaft anzuordnen, wie es in Universitätsgäürten zu ge- schehen pflegt, keine Rücksicht genommen. Der leitende Gedanke bei