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Pflanzen. Ein Schulgarten, dem die Beschaffung und die Kultur des in Frage stehenden Materials zufällt, wird schon dadurch seinen Zweck erfüllen, dass der Lehrer die beim Unterricht nötigen Pflanzen oder Teile derselben je nach Bedürfnis ihm entnehmen, oder sogar an Ort und Stelle die Schüler mit dem Charakter der betreffenden Pflanze vertraut machen kann. In der Kenntnis der feinen Bildungsverhältnisse von Blüte und Frucht der Pflanze ist ohne unmittelbarc Anschauung kein festes, deutliches, unver- worrenes Bild zu gewinnen, und je fleissiger der Schulgarten als Demonstrationsfeld benutzt, je intensiver das von ihm Gebotene mit Klarheit und Verständnis erkannt wird, um so grösser wird der wohlthätige Einfluss sein, den die Anlage auf Geist und Ge- müt der Schüler ausübt.„Die Bedeutung der Schulgärten bleibt für alle Bildungsanstalten der Jugend die gleiche, und eine jede wird aus denselben Nutzen ziehen können.“
Bei der vor 4 Jahren nach dem Entwurfe des Herrn Dir. Dr. Landmann erfolgten Neuanlage unseres Schulgartens war man besonders darauf bedacht, beim Anbau möglichst diejenigen Pflanzen zu bevorzugen, die der Lehrer nach dem festgestellten Lehrplan in den einzelnen Klassen durchzunehmen hat, um ihm und zu- gleich auch den Schülerinnen die zeitraubende, und oft ganz er- folglos verlaufende Zeit des Suchens nach Pflanzenmaterial abzu- nehmen. Ausserdem bot noch der Garten durch zweckmässige Verteilung und rationelle Ausnutzung des Geländes Raum zur Anpflanzung vieler Hundert Exemplare der verschiedensten Pflanzen unserer überaus reichen und schönen wildwachsenden Flora, so dass der Vorteil, den die Natur hinsichtlich eines reichhaltigen Pflanzenmaterials gerade den Giessener Lehranstalten bietet, aus- genutzt werden konnte. Nun liegt es lediglich in der Hand des Lehrers, das Dargebotene zum Nutzen der Kinder auch richtig zu verwerten und dem Unterrichte jederzeit dienstbar zu machen.
„Jedes einzelne der lieblichen Blumengesichter“, sagt Her- mann Müller,„blickt uns Hoffnung erweckend und zu mutigem Vorgchen anspornend freudig entgegen, als wollte es uns zurufen: „Wage dich nur zu mir heran, mache dich in treuer Liebe mit mir und allen meinen Lebensverhältnissen so innig, als du ver- magst, vertraut, und ich bin gern bereit, den Schleier vor dir fallen zu lassen und mich mit allen meinen Geheimnissen dir an- zuvertrauen.““.
Zu den rein morphologischen Darstellungen, zum blossen Be-


