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cherlei Kraͤfte, aber es iſt Ein Gott, der da wirket Alles in Allen.“—
Auch wir, verehrteſte Amtsgenoſſen, auch wir ſelbſt fuͤhlen gewiß das Beduͤrfniß, bei gemeinſamer Feier uns des gemeinſa⸗ men Zweckes unſerer Berufspflichten zu erinnern, um in den ge⸗ trennten Gleiſen unſerer Thaͤtigkeit die Einheit unſeres ganzen Strebens nicht zu verlieren, ſondern feſter zu faſſen und in Einem Geiſte Einem Herren zu dienen mit den mancherlei Gaben und Aemtern, welche wir empfiengen. Und wie koͤnnte dieſe Einheit unſerer Amtsgenoſſenſchaft lefhafter ſich darſtellen, als wenn wir im Angeſichte unſerer Schuͤler zu einer Todtenfeier uns verſam⸗ meln, welche die geſammte Anſtalt angehet, zu der wir gehoͤren? Denn derjenige, deſſen Andenken uns jetzt vereiniget hat, war einſt auch Lehrer dieſer Anſtalt, in dreifachem Amte. Und wenn auch nur Einer“) noch von uns Lebenden damals neben ihm ſtand, ſo ſind wir doch Alle mit ihm verbunden; verbunden durch das große gemeinſame Reich der Wahrheit und der Tugend, dem Er diente, wie wir; verbunden durch das gemeinſame Vaterland, dem er ſeine Kraft widmete, wie wir; verbunden endlich ſogar durch dieſe Raͤume, in welchen Er ehedem lehrete, wie jetzt wir. Ja, unſere Namen ſtehen, vereint mit dem Seinigen, aufgezeich⸗ net in den Jahrbuͤchern dieſer Lehranſtalt; ſein Bildniß**) wird, als ſtummer Zeuge, fortan auf das herabſchauen, was hier von uns, und noch in fernſter Zeit von unſeren Nachkommen, voll⸗ bracht wird. Und wer weiß, ob nicht uns bald, den Einen fruͤ⸗ her, den Andern ſpaͤter, wenn der Ruf des Vaters der Geiſter uns trifft, ſein ſtiller Bote uns zu dem Frieden winket, zu wel⸗ cher unſer Verklaͤrter eingegangen iſt; ob nicht auch wir bald ſeyn werden in jenen Raͤumen, von denen einſt der Herr(Joh. 14, 2.) ſagte:„In meines Vaters Reiche ſind viele Wohnungen.⸗ Ach,„wenn wir einſt von jenem Schlummer, welcher Tod heißt, auferſtehn, und, von dieſes Lebens Kummer frei, den ſchoͤnern
*) Herr Profeſſor Krebs. Vgl. das Programm des Gymnaſiums v. J. 1836: ⸗Historia Gymnasii Weilburgensis“ S. 32 ff.
**) Auf wiederholte Bitten ließ er es vor wenigen Jahren fertigen, und ſchenkte es unſerer Anſtalt, um die Reihe der Bilder früherer Lehrer zu vervollſtändigen, als ein dauerndes Zeichen erinnerungsvoller Theil⸗ nahme.


