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eine abgegrenzte Sammlung von für Leben und Lehre norma⸗ tiven Schriften, von apoſtoliſcher Hand zuſammengeſtellt der Kirche von Anfang an eigen geweſen ſei, hat zuert Semler widerlegt(1771) und damit das Problem einer Geſchichte des Kanons geſtelt. Mit Semlers Ergebnis, daß der Kanon erſt ſpäter und allmählich in der Kirche enſtanden ſei, ſtimmnen die neueren Forſcher ſämtlich überein, auch die Apologeten, welche nur den Urkanon möglichſt nahe an die apoſtoliſche Zeit heranrücken.
§ 22.(KRanonloſe Zeit.) Zur Auſſtellung eines Neu⸗ teſtamentlichen Kanone, der als Neues Teſtament neben das Alte Teſtament zu treten gehabt hätte, fehlte ein Bedürfnis nicht nur im Zeitraum Jeſu und der Apoſtel, weil dieſe ſelbſt die Träger der Neuteſtamentlichen Offenbarung waren, ſondern auch in der nachapoſtoliſchen Zeit, wo der heiligen Schrift Alten Teſtamentes die mundliche Uibertieferung der Herrenworte und der Apoſtellehre zur Seite
.(Anlaß der Kanonbildung.) Die anſcheinend mach einem veligonsgeſchichlichen Geſetz notwendige Bildung einnes Kanons beſonderer heiliger Schriften für die Neuteſt mentliche Gemeinde hat geſchichtlich eine doppelte Wurzel: erſtlich das Bedürfnis der ſpäteren Gemeinde, die Neuteſtamentliche Heilsgeſchichte ſich zu vergegemwärtigen, welches Bedürfnis durch
u die gottesdienſtlice Leſung der vier Evangelien und ihrer Har⸗ monie neben dem Alten Teſtament befriedigt wurde; zweitens die ſpäter ſich ergebende Notwendigkeit, gegenüber dem Zurück. gehen der Häretiker auf angebliche ſchriftliche Überlieferungen der Apoſtel die Kontinuität der bis dahin nur mündlich fort pflanzten Kirchenlehre mit der urſprünglichen Apoſtellehre dot mentariſch zu beweiſen.
§ 24.(Prinzipien der Kanonizität.) Der verſchieden artige Anlaß zur Kanonbildung hat ein einheitlihes Prinzip der Kanoniſſtät von vornherein unnöglich gemacht. Das be⸗ ſonders von Tertulian geſorderte innere Prinzip apoſtoliſchen Urſprunges ließ ſich den durch ihre gottesbienſtliche Leſung


