Aufsatz 
Die Realschule
Entstehung
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denBallaſt abwehrt. Das einzige hier wirkſame Mittel würde darin beſtehen, daß die Berechtigungen durch die Mittelſchule nicht nur mit geringeren Koſten, ſondern auch leichter erlangt würden, aber dieſes Mittel kann doch weder im Princip ausgeſprochen, noch thatſächlich auf die Dauer zugelaſſen werden.

Durch die Einrichtung einer Mittelſchule in ſolchen zweifelhaften Fällen würde demnach mit ſehr bedeutenden Koſten gar leicht ein Uebel geſchaffen und der eigentliche Zweck doch verfehlt. Selbſt angenommen aber nicht zugegeben, daß der Mittelſchule vorzugsweiſe die für höhere Schulen ungeeigneten Schüler zugingen, ſo wäre ſie ſelbſt alsdann in einer ſchwierigen Lage.

Richtet man ſtatt der Mittelſchule nur Parallelklaſſen in der Realſchule mit Wechſelcurſen bis etwa zur Quarta incl. ein, ſoweit das Bedürfniß es erfordert, ſo iſt der Ueberfüllung abgeholfen. Ziele und Lehrgegenſtände der Mittelſchule fallen mit denen der Real⸗ oder höheren Bürgerſchule ohne Latein bis dahin im Weſentlichen zuſammen, der Erfolg des Unterrichts in den mäßig großen und zweckmäßig zuſammengeſetzten Parallelklaſſen iſt entſchiedener geſichert und kein guter Schüler geht der Hauptſchule verloren, während die unbeweglichen zurückbleiben und vor Tertia meiſt ausſcheiden. Der Koſtenaufwand für dieſe Einrichtung iſt ohne Vergleich geringer, als für eine beſondere Schule, und man hat die etwa eintretenden Modificationen derſelben ſtets in der Hand. Wird ſie zu umfänglich und tritt ein entſchieden unzweifelhaftes und dauerndes Bedürfniß der Aenderung im Lauf der Zeit ein, ſo iſt es ja auch hier nicht zu ſpät, eine ſelbſtſtändige Mittelſchule zu errichten.

Man iſt hin und wieder ſo weit gegangen, alle Berechtigungen als ein Uebel für die höheren Schulen zu verurtheilen und ſie beſeitigt zu wünſchen. Dieſe idealiſtiſche Auffaſſung kann wohl kaum im Ernſte gemeint ſein und eben ſo unrecht iſt es, die um der Berechtigungen willen zuſtrömenden Schüler kurzweg alsBallaſt zu verwerfen. Die werthvollen Berechtigungen ſind an ſich gewiß kein Uebel, ſondern eine Lebensbedingung und ein mächtiger Impuls von oben und von unten, wenn ſie auch wie Alles ihre Schattenſeite haben. Die Schulen ſind um der Menſchen willen da, der Drang nach ausgedehnter Benutzung derſelben iſt durch das Bedürfniß und die Zeitverhältniſſe hervorgerufen, die Berechtigungen nicht nur für den Einzelnen, ſondern für alle Lebensverhältniſſe und beſonders für alle Zweige des öffentlichen Dienſtes unentbehrlich; diejenige für den Einjährigendienſt allein iſt ſchon von unſchätzbarer Bedeutung für alle Lebensverhältniſſe, die wirkſamſte Milderung des ſchweren Drucks unſerer Militärverfaſſung und für den Geiſt unſeres Heeres ſelbſt vom höchſten Werth.

Uebrigens darf man erwarten, daß die Nachtheile der vielbeklagten Ueberfluthung bereits ſo ziemlich auf ihrem Höhepunkt angelangt ſind und wie jedes Uebermaß allmählich eine Remedur durch ſich ſelbſt finden werden; einestheils werden die verfehlten Erfolge den Zudrang auf ein richtigeres Maß zurück⸗ führen, und anderntheils entſtehen immer noch viele neue Schulen zur Entlaſtung der übrigen.

Gegen die Mittelſchulen iſt hin und wieder die Einrede vorgebracht worden, daß die Agitation für dieſelbe zuweilen aus dem Beſtreben hervorgehe, für die mittleren und unteren Volksklaſſen eine beſondere Schule zu ſchaffen, welche ihnen die höhere Schule entbehrlich machen ſolle. Auch über dieſen Punkt enthält der erwähnte Hofmann'ſche Bericht über die Berliner Mittelſchulen viel Beherzigenswerthes.

Der Wunſch der Aeltern, ihre Kinder nicht mit den erziehungsloſen, an gute Sitte und Ordnung wenig gewöhnten Altersgenoſſen aus den niederen Ständen in täglichem Verkehr zu ſehen, iſt überall, wenn auch vorzugsweiſe in den Großſtädten, gewiß ſehr berechtigt. Dieſes Beſtreben darf aber nicht zu weit gehen, die Grenze der Abſcheidung nicht zu eng ziehen; wenn z. B. der Beamtenſtand gegen den bürgerlichen Mittelſtand in der Schule ſich abſchließen wollte, ſo wäre damit gegen das eigne wie gegen das öffentliche Intereſſe die richtige Grenze verfehlt! Jenes wie dieſes läßt auch die Forderung be⸗ rechtigt erſcheinen, daß die geſammte Jugenderziehung nicht allzuſehr vom Leben abgeſchloſſen, daß dem