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Abſonderungs⸗ und Kaſtengeiſt nicht gefliſſentlich Vorſchub geleiſtet und ſchon in der Schule Nahrung gegeben werde. Nur die ſchroffen Bildungs⸗ und Standesverſchiedenheiten ſoll man thunlichſt auseinander halten, die gute Sitte in den Schulen ſchützen und pflegen, das Rohe und Gemeine mit aller Macht niederhalten, von welcher Seite es auch hervortreten mag.
Die Schule ſoll für das Leben erziehen, die Erzogenen müſſen ſich im Leben unter allen Verhältniſſen bewegen und ihren Weg finden können,— dazu iſt es nöthig, unter allen Umſtänden gut, in der Jugend nicht unter Glas gepflegt zu werden, das Gute und Böſe, das Edle und Gemeine ſehen und ſcheiden zu lernen. Rühmt man ja mit Recht an unſeren Fürſtenhäuſern, wenn ſie ihre Kinder nach dieſem Grundſatz erziehen, draußen im Leben freier verkehren und in öffentlichen Schulen unter⸗ richten laſſen.
Die Quellen der eigentlichen dauernden Uebel unſerer leiblichen und geiſtigen Erziehung liegen überhaupt weit weniger in der Schule, als in den ſchlimmen Einflüſſen des Zeitgeiſtes, der häuslichen und öffentlichen Lebensverhältniſſe, gegen welche die Schule leider mit nur geringem Erfolg ankämpft.
Erfahrungsmäßig findet in der menſchlichen Geſellſchaft ein ſtetes Steigen und Fallen von unten nach oben und umgekehrt ſtatt. Die Begabten, Strebſamen oder vom Glück Begünſtigten erheben ſich aus den tieferen Schichten auf höhere Stufen, während aus den höheren Kreiſen Viele durch die entgegengeſetzten oder andere nahe liegende Urſachen herabſinken. Dieſer Stoffwechſel, dieſer Kreislauf iſt nicht nur thatſächlich vorhanden, er iſt für das Beſtehen und das Wohl des Ganzen eben ſo nothwendig, wie der Kreislauf der Säfte in allen organiſchen Körpern; er hat wie dieſer allezeit beſtanden und wird immer beſtehen. Es wäre nicht nur unmöglich, ſondern ganz gegen das Geſammt⸗Intereſſe des Staats, dieſe Bewegung der Individuen unterdrücken oder nur weſentlich erſchweren zu wollen, ſie muß vielmehr zum Wohl Aller durch weiſe und humane Einrichtungen unterſtützt und beherrſcht werden, wie es denn auch ziemlich ausreichend geſchieht. Die Schulen aller Kategorien ſind darum angelegentlichſt beſtrebt, jedes Niederdrücken der beſſeren Elemente fern zu halten, Wohlanſtändigkeit, Sitte und Ordnung eben ſo eifrig zu pflegen, wie den Fortſchritt im Wiſſen, damit durch die Mehrzahl der guten Elemente der Geiſt der Klaſſe gehoben, die Minderzahl der ſchlechten beherrſcht und mitgeführt werde. Verzichtet man thatſächlich auf den letzteren Gewinn durch die ſog. Purification der höheren Schulen, ſo geht nicht nur manches Talent verloren, ſondern man arbeitet den ſocialen Agitationen geradezu in die Hände.
Die guten und ſchlechten Schüler ſcheiden ſich nun aber nicht gerade nach Ständen, und darum wird auch in dieſer Hinſicht eine Mittelſchule, wenn ſie nicht aus anderen zureichenden Gründen gerecht⸗ fertigt iſt, niemals den Zweck vollſtändig erfüllen können, die höhere Schule wirklich zu purificiren, ihr diejenigen Elemente abzunehmen, welche die Erreichung ihrer eigentlichen Ziele erſchweren.


