Aufsatz 
Die Realschule
Entstehung
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kein Licht ohne Schatten! Nicht ſelten ſind auch andere Motive, wie das Beſtreben, nicht hinter Anderen zurückzuſtehen, für den Zudrang nach höheren Schulen beſtimmend. Das Alles iſt an ſich kein Uebel, es hat ſein Gutes; eine große Zahl derjenigen, welche aus dieſen oder ähnlichen Urſachen dem höheren Unterricht in früher Jugend zugeführt werden, erwirbt ſich werthvolle und ausgedehnte Kenntniſſe zugleich mit den Berechtigungen, und wenn die Uebrigen dieſes Ziel auch nicht ganz erreichen, ſo iſt das eben nicht zu ändern, denn weder Lehrer noch Aeltern können in früher Jugend beurtheilen, welche Schüler ihren Weg mit oder ohne geeigneten Erfolg machen werden; die Aeltern ſind, ſelbſt in zweifel⸗ haften Fällen, nicht geneigt, die mangelhafte Begabung des Kindes zu erkennen, oder ſie hoffen von der Zeit; manche anfangs wenig verſprechende Schüler entwickeln ſich auch in der That über Erwarten gut. Das Andringen nach den höheren Schulen iſt nun einmal eine Thatſache, mit der man rechnen muß, da man ſie weder abweiſen kann noch unbedingt abweiſen ſoll.

Es iſt dagegen ebenfalls eine nicht zu verkennende Thatſache, daß vielen höheren Schulen durch dieſe Ueberfluthung mit Schülern, und namentlich mit ſolchen, die nur um gewiſſer Nebenzwecke willen ihnen zuſtrömen, die Erreichung ihrer Ziele ſehr erſchwert wird. Welche ſind aber dieſe ungeeigneten Elemente, oder richtiger, welche werden ſich ſpäter als ſolche erweiſen? wie will man ſie erkennen und wie abwehren? Dieſe Frage wird niemals eine völlig befriedigende Antwort finden; man muß ſich begnügen, das Uebel nach Möglichkeit zu mindern, zunächſt durch ernſtes Feſthalten an den Forderungen bei der Aufnahme und bei dem Aufrücken in höhere Klaſſen, dann auch durch perſönliche Berathung der Aeltern.

Das wirkſamſte Mittel gegen die Ueberfluthung glaubt man in der Mittelſchule zu finden. Der Begriff derſelben iſt bei ihrer vielgeſtaltigen Aufgabe, bei der großen Verſchiedenheit der lokalen Verhältniſſe und bei den zur Zeit noch ungenügenden Erfahrungen ein ſehr dehnbarer. Sie ſoll der Volksſchule als Fortſetzung oder Erweiterung dienen, die höheren Schulen entlaſten, hin und wieder auch die gemiſchte Zuſammenſetzung derſelben aus Schülern verſchiedener Stände und Bildungsſtufen mehr gleichartig machen helfen u. A. m.

So zweckmäßig nun auch dieſe Form von Schulen zur Erreichung der angedeuteten Zwecke auf den erſten Blick erſcheinen mag und am rechten Platz auch iſt, ſo treten doch bei näherer Prüfung der maßgebenden Verhältniſſe und nothwendigen Conſequenzen manche Bedenken gegen die unbedingte Empfehlung derſelben entgegen. Dieſe Bedenken ſind zwar meiſt nur lokaler und pekuniärer Natur, aber von großem Gewicht, und es dürfte in unſerer lebhaft erregten, jede neue Idee raſch erfaſſenden und eben ſo raſch zur That ſchreitenden Zeit wohlgethan ſein, bei dieſer Frage des Kaiſer Auguſtusfestina lente im Auge zu behalten.

Viele Schulmänner ſind gegen die Mittelſchule, weil ſie den Verfall der Volksſchule bedeute. Dieſe Klage iſt nicht unberechtigt, zumal wenn das Schulgeld der Mittelſchule gering und wenn zugleich noch höhere Schulen in Städten von mittlerer Einwohnerzahl da ſind; die Volksſchule verliert dann faſt alle beſſeren Schüler und verödet, ſelbſt wo ſie, wie bei uns in Heſſen, ſehr gut organiſirt und leiſtungs⸗ tüchtig iſt. Eine Mittelſchule, welche die Volksſchule ergänzen und erweitern ſoll, iſt zwar im Allgemeinen in kleineren und mittleren Städten, welche keine höhere Schule haben, zweckmäßig, falls das Schul⸗ geld ziemlich hoch geſetzt wird, aber wegen der ſehr bedeutenden Koſten, welche mit der zu erwartenden Schülerzahl meiſt nicht im richtigen Verhältniß ſtehen, immerhin gewagt; einmal geſchaffen iſt ſie nur mit ſchweren Verluſten wieder aufzuheben. Iſt in ſolchen Städten eine höhere Schule, ſo würde eine Mittelſchule ohne ſtaatliche Berechtigungen keinen Boden haben; mit ſolchen Berechtigungen aber einerſeits die Volksſchule, anderſeits die höhere Schule in einem Maaße beeinträchtigen, daß die Klage wegen Ueberfüllung in das Gegentheil umſchlagen könnte, weil die Mittelſchule ein geringeres Schulgeld