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Eine Ungleichförmigkeit der Vorbildung wird für die mittleren und beſonders für die oberen Klaſſen allezeit fortbeſtehen, da Schüler aus einer Schule in die andere übergehen, mehr noch von auswärts kommen, meiſt in vorgerückterem Alter. Beſeitigen läßt ſich das nicht, und es hat neben der Schatten⸗ auch ſeine Lichtſeite.
Der Koſtenpunkt iſt wohl auch ein Bedenken; in größeren Städten kann er wenig oder gar nicht ins Gewicht fallen, weil ſtark beſuchte Klaſſen nicht nur durch das Schulgeld ihre Koſten decken, ſondern mehr noch deshalb, weil man doch zur Einrichtung von Parallelklaſſen genöthigt iſt, ſo daß man zwei Realſchulen— die eine mit, die andere ohne Latein— ganz oder beinahe ganz getrennt, neben einander hat; die eine ergänzt und unterſtützt die andere planmäßig. Bei hinreichenden Mitteln und großer Schülerzahl wird ſich ohnehin eine vollſtändige Trennung empfehlen, wie ſie oft geſchehen iſt. Auch in mittleren und ſelbſt in ſolchen kleineren Städten, welche kein Gymnaſium neben der Realſchule haben, iſt die Einrichtung lateiniſcher Parallelklaſſen leicht durchzuführen, da ſolche Realſchulen hinreichende Schülerzahl und das dringende Bedürfniß altſprachlichen Unterrichts bis Tertia oder Secunda, alſo die Aufgabe eines Progymnaſiums haben. Die lateiniſchen Parallelklaſſen fangen auf der Stufe an, wo der Lehrplan den Lateinunterricht beginnt und gehen von Stufe zu Stufe bis zur Secunda oder überhaupt bis zu der Stufe fort, mit welcher die Militärberechtigung erlangt wird. Für die darüber hinausgehenden oberen Jahrescurſe der vollſtändigen Realſchule tritt Latein als obligatoriſch ein; ohnehin iſt hier die Frequenz ſehr reducirt, und die Schüler derſelben beabſichtigen alle einen höheren Studiengang.
Auf dieſem Weg wird es möglich ſein, den Abiturienten der Realſchule für alle höheren wiſſen⸗ ſchaftlichen Studien hinreichende Kenntniß des Lateiniſchen mitzugeben, wenn ſie auch der Natur der Sache nach etwas hinter derjenigen der Gymnaſialſchüler zurückbleibt. Der nicht beſonders nachtheilige Minderwerth der Leiſtung wird reichlich durch den Mehrwerth in anderen Gegenſtänden ausgeglichen, und wenn damit der Realſchüler zum Studium der Theologie und Philologie nicht ganz geeignet vor⸗ bereitet erſcheint, ſo iſt er in keiner ſchlimmeren Lage, als der Gymnaſialſchüler, welcher Medicin u. ſ. w. oder techniſche und naturwiſſenſchaftliche Fächer ſtudiren will; beide müſſen die fehlenden Kenntniſſe vor oder alsbald nach dem Uebergang zur Hochſchule ergänzen.
Eine volle ausnahmloſe Gleichberechtigung beider Anſtalten aber iſt nothwendig ſchon aus den äußeren Gründen, weil nicht überall Gymnaſium und Realſchule neben einander beſtehen, und weil zweierlei Arten von Studirenden auf der Hochſchule große Uebelſtände im Gefolge haben würden. Jedenfalls iſt es gut, neue Studienwege zu eröffnen und möglichſt zu ebnen; die unbeugſame Logik der Thatſachen nöthigt dazu, und ſie iſt ſtärker als die entgegenſtehenden Vorurtheile.
Einige Gedanken über die Mittelſchule, zunächſt in ihrer Beziehung zur Realſchule.
Die Forderung einer beſſeren, über die Volksſchule hinausgehenden Schulbildung in weiten Kreiſen überhaupt, dann insbeſondere die zahlreichen, von den verſchiedenen Stufen der höheren Schulen ab⸗ hängenden Berechtigungen haben den letzteren eine Menge von Schülern zugeführt, deren Ziel zum Theil nur ein auf beſondere Zwecke beſchränktes iſt und von dem eigentlichen Endziel der Schule abſeit liegt;


