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Maſſe widerwilliger Schüler ab, denen es für den Gegenſtand an Befähigung, an Sinn und gutem Willen, ſowie an Antrieb vom Hauſe meiſt ſehlt, und er muß bald den Muth und die Hoffnung auf⸗ geben, mit ſeiner Siſyphus⸗Arbeit je einen genügenden Erfolg zu erringen. Ohne Latein würden viele Schüler mehr leiſten und Vieles ſich anders, günſtiger geſtalten. Bei der Verſetzung entſcheidet nicht ſelten das leidige Latein und manche zum Aufrücken im Uebrigen brauchbare Schüler müſſen zurück⸗ bleiben, was für die Betroffenen und auch für die Schule ein Uebel iſt.
Etwas beſſer geſtaltet ſich die Sache von Tertia an, wo die Schüler ſchon mehr geſichtet, manche unbegabte und unbewegliche ausgeſchieden, die gebliebenen entwickelter und verſtändiger, auch zum großen Theil ſolche ſind, welche Latein wirklich lernen wollen, und deshalb, gleich dem Lehrer, von beſſerem Muth und Geiſt getragen ſind.
Dieſen und anderen davon untrennbaren Uebeln iſt abzuhelfen, wenn man das Lateiniſche in be⸗ ſonderen Abtheilungen oder Fachklaſſen lehrt, welche nur aus ſolchen Schülern gebildet werden, die nach eignem und der Aeltern Wunſch ernſtlich es lernen wollen und dazu geeignet erſcheinen. Der Wille der Aeltern darf für die Zulaſſung nicht allein entſcheidend ſein, der Schule muß das Recht zu⸗ ſtehen, ſolche Schüler, welche nicht reif genug, namentlich im Deutſchen und Franzöſiſchen noch allzuſchwach ſind, bis auf Weiteres zurückzuweiſen.
Mit einer ſolchen geringeren Zahl von mehr gleichartigen, reiferen und fleißigeren, von den Aeltern angehaltenen Schülern wird ein tüchtiger Lehrer ſelbſt bei mäßiger Stundenzahl ungleich beſſere Erfolge erzielen, anderer indirecter Vorzüge dieſer Einrichtung nicht zu gedenken, namentlich in Betreff der Ver⸗ ſetzungen und der Aufnahme älterer neu eintretender Schüler, welche oft im Lateiniſchen ſehr zurück, ſonſt aber gut ſind.
Im frühſten Alter iſt es bei den wenigſten Schülern möglich, zu beurtheilen, ob ſie für das Lateiniſche Begabung und Sinn beſitzen, ob es für ſie jemals Zweck und Nutzen haben wird. Erſt ſpäter vermögen Lehrer und Aeltern ein Urtheil zu gewinnen und den Schüler auf die angemeſſene Bahn zu bringen. Dieß ſpricht ſehr entſchieden dafür, daß man das Lateiniſche erſt ſpäter und daß man es in beſonderen, zweckmäßig zuſammengeſetzten Fachklaſſen lehrt, wenn die Realſchule Gewinn davon haben ſoll. Schüler, welche von vornherein eine vollſtändige Realſchule nicht bis zur oberſten oder wenigſtens bis zu der Stufe zu durchlaufen beabſichtigen, für welche das Lateiniſche Zweck und Bedeutung hat, eignen ſich nicht in die Abtheilungen, und beſuchen nur die Hauptklaſſen, ſofern ſie nicht eine Realſchule oder höhere Bürgerſchule ohne Latein oder eine Mittelſchule beſuchen können.
Soll und muß das Lateiniſche in Rückſicht auf beſondere Verhältniſſe durchaus obligatoriſch ſein, ſo ſcheint es mir genügend, dieſe Beſtimmung auf die zwei oder drei oberſten Klaſſen zu beſchränken und für die unteren die vorgeſchlagene freiere Einrichtung von Fachklaſſen zu geſtatten. Thatſächlich würde damit ſo ziemlich das Gleiche erreicht, und doch der Begriff gerettet. Die bayriſchen Real⸗ gymnaſien nach der neuen Organiſation vom 20. Auguſt 1874 haben ja im Grund dieſe freiere Stellung, da ſie erſt mit der Stufe beginnen, welche der Tertia analog iſt, und in dieſe auf Grund authentiſcher Zeugniſſe oder beſonderer Prüfung aufnehmen.
Im Einzelnen handeln ja alle höheren Schulen nach dieſem freieren Grundſatz: ſie nehmen
Schüler jeden Alters auf Grund einer Prüfung bis in die Prima auf, ohne Rückſicht darauf, wie und wo ſie ihre Kenntniſſe erworben haben. Die zahlreichen auswärtigen Schüler treten ja der Mehrzahl nach erſt in die oberen, höchſtens in die mittleren, wenige in die unteren Klaſſen ein. Gut iſt es freilich, eine Schule vollſtändig von unten zu durchlaufen, aber dieß bezieht ſich auf den ſyſtematiſchen Zuſammen⸗ hang des geſammten Unterrichts und der Erziehung; hier handelt es ſich bloß um die Stellung einer einzelnen Sprache.


