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den verſchiedenen Richtungen der höheren Schulbildung— iſt ein ſehr bedeutendes Gewicht auf äußere Motive zu legen. Das Bedürfniß der Schulbildung wächſt ſtetig und breitet ſich in immer weiteren Kreiſen aus, ganz beſonders in Mathematik, Naturwiſſenſchaften, neueren Sprachen und Zeichnen, für das Berufsleben ſowohl, wie für die Ausbildung auf den Hochſchulen u. ſ. w. Die Realſchulen können dieſem Bedürfniß nur bis zu einem beſchränkten Grade genügen, zur eigentlichen Vollendung, zum fertigen Abſchluß gelangen ſie nur ausnahmsweiſe, weil ihnen der Boden verſagt iſt. Viele Talente bleiben ſo auf halbem Wege ſtehen, gehen der Wiſſenſchaft und Kunſt, der höheren Ausbildung für Technik und Induſtrie, für den Staats⸗ und ſonſtigen öffentlichen Dienſt verloren; ein in unſerer Zeit ſehr hoch an⸗ zuſchlagender Verluſt. Die wenigſten Städte und deren Umgebung haben ein Gymnaſium und eine Realſchule zugleich, gar viele Familien ſind theils aus Gründen der Erziehung, theils aus pekuniären und mancherlei anderen Rückſichten nicht in der Lage, ihre Kinder auf ein auswärtiges Gymnaſium zu bringen; eine Realſchule hätten ſie in loco oder auch unter günſtigen Verhältniſſen auswärts, und würden ſie gerne benutzen, wenn dieſelbe für ihre Abſichten berechtigt wäre; ſo aber müſſen ſie auf ihren Plan verzichten, wenn auch die Realſchule geeigneter als das Gymnaſium für denſelben erſcheinen ſollte.
Welch' anſehnlicher Zufluß würde durch Einſetzung der Realſchulen in ihre Rechte den Univerſitäts⸗ und anderen höheren Studien und ſomit dem öffentlichen Dienſt zugeführt werden! Insbeſondere würde dem großen Mangel an tüchtigen Lehrern der Mathematik, Naturwiſſenſchaften und neueren Sprachen für die mannigfaltigen Lehranſtalten bald abgeholfen ſein, da die Gymnaſien wenig Anregung für dieſe Studienrichtung geben. Gegen die Gleichſtellung bezüglich der Zulaſſung der Realſchul⸗Abiturienten zu Univerſitätsſtudien in allen Fakultäten iſt vielfach geltend gemacht worden, daß für das Studium der Theologie, der Philologie und auch der Rechtswiſſenſchaft die Realſchule ſchon aus dem Grunde nicht genügend vorbereite, weil ſie nicht ausreichend Latein und gar kein Griechiſch mitgebe. Es iſt dagegen an ſich nichts zu ſagen, aber es iſt dieſer Anſpruch nicht paradoxer, als derjenige des Gymnaſiums, daß es für Mediciner, Architecten, Ingenieure, Chemiker und Naturforſcher, überhaupt für alle denkbaren wiſſenſchaftlichen und nicht wiſſenſchaftlichen Berufswege die beſte, ja die einzig wahre Vorbereitungs⸗ anſtalt ſein ſoll. Die unbefangene Prüfung führt zu der Ueberzeugung, und mehrere der bekannten 39 akademiſchen Gutachten vom Jahr 1869 beſtätigen es, daß der Mediciner eher etwas Lateiniſch und mehr noch das Griechiſche, als die Naturwiſſenſchaften und neuere Sprachen bei ſeinem Studium miſſen könne. Aehnlich bei andern Fächern. Wenn z. B. dem Mediciner geſtattet iſt, auf der Univerſität mit ſchweren Opfern an Zeit und Geld und zum großen Nachtheil ſeiner ohnehin ſo umfänglichen Fachſtudien die ihm fehlenden Schulkenntniſſe privatim nachzuholen, und durch eine ſpätere Nachprüfung(tentamen physicum oder philosophicum) den Erwerb derſelben darzuthun, ſo wäre es nur conſequent und gerecht, dem Realſchul⸗Abiturienten daſſelbe bezüglich des Nachweiſes von Kenntniſſen im Griechiſchen oder Lateiniſchen zu geſtatten, falls ſich ja einmal einer oder der andere ſpät entſchließt, Theologie, altklaſſiſche Philologie, Jurisprudenz oder Medicin zu ſtudiren. Der Unterſchied iſt einzig der, daß man jenes gewohnt iſt, dieſes nicht.
Aber abgeſehen davon— man darf in dieſer Beziehung ohne Sorge ſein; wenn Realſchüler eins oder das andere der zuletzt genannten Fächer ſtudiren wollen, ſo ſind es nur hervorragende Köpfe, die beſten Schüler, welche mit Erfolg die entgegenſtehenden Schwierigkeiten bald überwinden und ſich den beſten Gymnaſial⸗Abiturienten zur Seite ſtellen können, wie zahlreiche Beiſpiele gelehrt haben. Im Allgemeinen werden die künftigen Theologen, Philologen und ſelbſt die meiſten Juriſten nach wie vor ihre Vorbereitung auf den Gymnaſien ſuchen, beſondere Fälle ausgenommen, wo zwingende locale oder perſönliche Rückſichten den Entſchluß und die Wahl der Schule beſtimmten; das Publikum trifft ſchon ſelbſt die geeignetſte Wahl im eigenen Intereſſe.


