Aufsatz 
Die Realschule
Entstehung
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um die Wahrheit zu thun iſt, der wird und kann ſich wenigſtens dieſen Gründen und der Ueberzeugung nicht verſchließen, daß die Realſchule niemals zu ihrer wahren Wirkſamkeit ſich erheben, nie ihrer hohen Aufgabe gegenüber den Anforderungen der Wiſſenſchaft und der nationalen Wohlfahrt wird genügen können, ſo lange ſie nicht in die ihr gebührende Stellung eingeſetzt iſt. Daß ſie auch unter ſo ungünſtigen Bedingungen ſich nicht nur lebensfähig erwieſen, ſondern auch immer mehr Boden gewonnen hat und Tauſende von hochgebildeten und verdienten Männern unter ihren früheren Schülern zählt, muß um ſo höher angeſchlagen werden, und an den entſcheidenden Stellen die Beruhigung geben, daß die geforderte uneingeſchränkte Gleichberechtigung mit den Gymnaſien nur gute Folgen haben kann.

Nachdem ſchon ſo manche folgenreiche Rechte den Realſchulen verliehen, ihre Organiſation nach den verſchiedenſten Richtungen weiter entwickelt, auch die Frage der Gleichſtellung ſeit Jahren eingehend discutirt worden iſt, kann es doch wohl nicht mehr an Erfahrungen und an der nöthigen Klärung der Gründe und Gegengründe fehlen, um ſie als ſpruchreif zu erkennen und durch ein Reichsgeſetz zu ent⸗ ſcheiden. Im Weſentlichen bleibt nur zu den bereits gethanen Schritten der eine letzte Schritt zu thun: den vollſtändig ausgebauten, nach einem allgemeinen Reichsunterrichtsgeſetz organiſirten Realſchulen die Zulaſſung zu allen Univerſitätsſtudien gleich den Gymnaſien zu gewähren. Eine Gefahr, etwas Gewagtes, läßt ſich auch bei der unbefangenſten und objectivſten Prüfung nicht erkennen, wohl aber ein unläugbarer Gewinn für alle Intereſſen der Wiſſenſchaft, der Geſellſchaft und der betheiligten Schulen ſelbſt. Das Gymnaſium wird nicht weniger dabei gewinnen, als die Realſchule, und ſollte in ſeinem wohlverſtandenen Intereſſe der endlichen Löſung der Frage, ſo viel an ihm iſt, auf halbem Wege entgegenkommen. Seine Aufgabe iſt ja, den Forderungen der Zeit gegenüber, weſentlich erſchüttert, ſein bisheriger Lehrplan als nicht mehr genügend und unhaltbar von ſeinen entſchiedenſten Sachwaltern anerkannt; es ſind weitgehende Modificationen und Conceſſionen zu Gunſten der mathematiſchen und naturwiſſenſchaftlichen Disciplinen nothwendig geworden, ohne daß bis jetzt eine befriedigende Geſtaltung des modificirten Lehrplans zu finden geweſen wäre, ſo mannigfaltige und zum Theil wunderliche oder geradezu antipodiſch ſich gegenüber⸗ ſtehende Vorſchläge auch in dieſer Richtung gemacht worden ſind. Es wird nie eine Schulform gefunden werden können, welche den Forderungen der heutigen Wiſſenſchaften und des öffentlichen Lebens genügte, und zugleich die altklaſſiſchen Sprachen als Mittelpunkt feſthielte; es wird, wie eine der competenteſten Schulautoritäten in den October⸗Conferenzen ſich bedeutungsvoll ausſprach, ſich fragen, ob es möglich iſt, ein Gymnaſium zu conſtruiren, durch welches die Realſchule entbehrlich wird. Ich denke mir, die Frage iſt als die Antwort ſelbſt zu nehmen. Es iſt nicht möglich, eine Schule zu conſtruiren, durch welche die eine oder die andere der beiden Kategorien entbehrlich würde. Vor 50 Jahren wäre dieſe Form vielleicht möglich geweſen, in 50 Jahren iſt ſie es vielleicht auch wieder in anderem Sinn, heute gewiß nicht; das Gymnaſium und die heutige Realſchule genügen beide nicht dem heutigen Stand des Bildungs⸗ bedürfniſſes jenes genügt nicht mehr, dieſe noch nicht. Es iſt zum Wohl beider, ſich in die hohe und ſchwierige Aufgabefriedlich⸗ſchiedlich zu theilen; die für jetzt unüberſteiglichen Schwierigkeiten des Lehrplans werden für beide auf das Maaß des Möglichen durch Ausſcheidung oder richtige Be⸗ ſchränkung des Heterogenen vermindert, jede kann ihrer Aufgabe voll und wahr nachgehen, an Arbeitsfeld fehlt es heute nicht und von Jahr zu Jahr noch weniger. Für das Gymnaſium würde dieſe Klärung der ſicherſte, wenn nicht der einzige Weg ſein, dem allgemein beklagten, ſtets ſteigenden Verfall der klaſſiſchen Schulbildung einen Damm entgegen zu ſetzen.

Der Staat, alle Schichten des Volkes haben ein noch höheres Intereſſe an der geforderten Gleich⸗ ſtellung; die Petitionen der 57 Städte der preußiſchen Monarchie neben vielen anderen Schriften und Berichten beleuchten dieſe Wahrheit nach allen Seiten. Abgeſehen von den inneren Gründen von der Nothwendigkeit eines richtigen Verhältniſſes in der Vertheilung von Zeit, Kräften und Mitteln zwiſchen