Aufsatz 
Lucian in der Literatur und Kunst der Renaissance / von Paul Schulze
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des Richters darstellen mi anders geheilt w als seit

, so kann beı Pirckheimer der berüchtigte Gegner Luthers nicht durch 7 handfeste Burschen alle Winkel und Ecken an ihm be-

Die erste Schrift ferner, die Melanchthon nach seiner Berufung an die neue Pflanz- schule des Humanismus zu Wittenberg dem Kurfürsten Friedrich dem Weisen widmete, war eine Übersetzung der Schrift Luciansüber die Verleumdung(zepi rod un Aadlws zıoredeıw Ö1aßoAN), durch die er nicht zum wenigsten den der Reformation ungünstigen Rinflüssen am Hofe ent- gegenwirken wollte.

Aber auch die in ihrer Einwirkung auf die Zeitgenossen bedeutendsten deutschen Humanisten Erasmus und Ulrich von Hutten haben es nicht verschmäht, Motive aus luci- anischen Satiren zu verwerten. DasLob der Torheit(Stultitiae laus), das der große Gelehrte von Rotterdam 1508 auf einer Reise in Italien verfaßte, ist, wie Förster mit Recht betont hat,'®) nicht nur in der Tendenz, die Verkehrtheiten und Narrheiten aller Stände zu verspotten, sondern auch in einzelnen Redewendungen der lucianischen Schrift"u@ptas&ynosarov(Preis der Torheit) verwandt. Ähnliches gilt m. E. von dem unter des ErasmusColloquia erhaltenen Dialoge, :Oharon. Wohl trägt dieses Gespräch bei dem großen Humanisten ein zeitgeschichtliches Ge- präge; denn die Anspielungen auf den bevorstehenden Krieg zwischen Karl V., Franz I. und dem Papste(tres orbis monarchas' capitalibus odiis in mutuum exitium ruere) und auf die geplante Ausrottung der Ketzer(haeretici) sind unverkennbar, aber die Klagen über die Nichtigkeit aller menschlichen Bestrebungen, namentlich über die Ehr- und Habgier der Sterblichen, die zum Nachen des Charon doch nichts weiter mitbringen dürfen als den einen Obolos, klingt aus den hämischen Worten Alastors bei Erasmus ebenso vernehmlich an unser Ohr, wie aus dem fast wehmütigen Schmerze des Totenfährmanns in LuciansWeltbeschauern.

Das Verhältnis des ewig jugendlichen Stürmers Ulrich von Hutten zu Lucian hat ebenfalls R. Förster!?) kurz berührt und gezeigt, wie das griechische Vorbild unverkennbar ist zunächst in Huttens gegen den Herzog Ulrich von Württemberg gerichteten Streitschrift Phalarismus, für die er einzelne Züge dem sogenannten erstenPhalaris entlehnte, einer schul- ınäßigen Übungsrede aus der Frühzeit Lucians, sodann in seinemCharon sive Inspicientes, einem scharf pointierten Gespräch, in welchem Luthers erbittertster Gegner, der Kardinal Oajetan, eine Hauptrolle spielt, während an Charons Stelle des Sonnengottes Sohn Phaöton tritt, endlich auch in Huttens posthumem DialogeArminius, in dem das altbeliebte Problem des Feldherrnstreites wiederkehrt und die lautere Vaterlandsliebe des Befreiers Deutschlands selbst vom Totenrichter Minos gewürdigt wird. Freilich tritt gerade hier der Unterschied in der Eigenart der beiden Aufklärer und in der Tendenz ihrer Schriften besonders deutlich zutage; denn was bei dem skeptischen Hellenisten wesentlich negierende Kritik des antiken Polytheismus und bittere Ver- spottung alles Aberglaubens und aller konventionellen Heuchelei war, das gestaltet sich bei dem deutschen Ritter zur politischen Opposition gegen die T'yrannei Roms und zu der nationalen Forderung völliger Losreißung seines Vaterlandes von allem welschen und papistischen Einfluß. Die Abhängigkeit Huttens von Lucian ins einzelne zu verfolgen und eine Parallele zu ziehen zwischen den Ideen und Zielen der in mancher Hinsicht geistesverwandten Naturen ist die Auf- gabe einer besonderen, wie mich dünkt, lohnenden Monographie; weiteres Detail würde über den Rahmen dieser Programmabhandlung weit hinausgehen.

18) Vgl. Fürster 8. 14 f. 0) Vgl. 8. I1f. t

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