Wenn ich demnach bei der Frage nach der Häufigkeit der verschiedenartigen Gleich- klänge im einzelnen Distichon auf die elegischen Dichter selbst verweisen musste, so geschieht dies mit ebensoviel Recht, wenn es zu untersuchen gilt, auf welche Weise in fortlaufenden Distichen die Gleichklänge wechseln. Dass sie wechseln nicht bloss in Bezug auf das Wo, sondern auch auf das Wie, ist einfach durch Rücksichten des Wohlklanges geboten. Ich be- gnüge mich, einige Verse beizufügen, welche hinter einander folgen(Fast. III, 735— 746) und sämmtlich Gleichklänge, aber in fast beständigem Wechsel enthalten:
Liba deo fiunt, sucis quia dulcibus idem Gaudet, et a Baccho mella reperta ferunt. Ibat harenoso satyris comitatus ab Hebro, Non habet ingratos fabula nostra jocos... Jamque erat ad Rhodopen Pangaeaque florida ventum. Keriferae comitum concrepuere manus. Ecce novae coeunt volucres tinnitibus actae, Quosque movent sonitus aera, sequuntur apes. Colligit errantes et in arbore claudit inani Liber, et inventi praemia mellis habet. Ut satyri levisque senex tetigere saporem, Quacrebant flavos per nemus omne favos.—
Zwischen den Distichen finden sich auch sehr oft am Ende der Reihen Gleichklänge. Für hörbar und beabsichtigt wird man sie in folgenden 3 Fällen halten müssen: 1. wenn auch der Satz sich in das folgende Distichon erstreckt(7. B. Prop. III, 19. 20— 22; IV, 8, 27— 29; 10, 18— 20; 20, 18 f. u. s. w.);— 2. wenn der Gedanke, ähnlich wie in den soge- naunten Stufenliedern der hebräischen Poesie, sich mit Wiederholung von Worten im nächsten Distichon stufenmässig fortsetzt(vergl. Catull, 68, 92 f.; Tibull II, 5, 6 f.; III, 2, 2);— 3. wenn der Gedankenauschluss ein besonders enger ist oder die Homocoteleuta je 2 gleiche Silben haben(z. B. Heroid. VIII, 91 ff; Tibull II, 2, 3 und 5; Properz I, 16, 42 mit 44 und 46; III, 7, 33 ff. u. a.).
Wie die Glieder, wenn die Abgeschl heit des einzel Distichons ist, über die Strophe hinausweisen und gleichsam 2 Distichen zur Einheit verbinden, möge man aus folgenden Versen(Amor. I, 2, 1— 4) ersehen:
Esse quid hoc dicam, quod tam mihi dura videntur Strata, neque in lecto pallia nostra sedent,
Et vacuus somno noctem, quam longa, peregi, Lassaque versati corporis ossa dolent?
S
an die vielen zerstreuten Notizen, die wir in unsern 1 über Abweie der Diechter unter einander, und der einzelnen Dichter selbst in den verschiedenen Werken, resp. Büchem. Raum und Zeit verbieten mir, diese und manche andre Beobachtung, die für sich allein unerheblich scheint, in Verbindung mit andern gleichartigen auch in's Gewicht füllt, hier zusammenzustellen.
Besonders oft werden die Homoroteleuta wiehtig sein für peststellnng der Cisur(ct. S. 10) entscheidend aber nur dann, wenn nicht bloss die dort und Gesichts- punkte gewahrt bleiben, sondern auch andre Umstände benchtet sind. Ich führe hier nachträglich noch den an, dass der schwebende Rhythmus, häufig am Rude des Hexameters, fast ausschliesslich am Ausgange des Pentameters angewandt, nicht selten einen Fingerzeig giebt, dass die erste Reiho auch schwebend mit der Arsis abschliesst.


