Homovaotelsuta Am Ziele unsrer Bemerkungen angelangt, dürfen wir das Distichon als eine Strophe
und Reim. bezeichnen, welche sich in 4 Reihen(resp. einer Halbreihe) nach esken metrischen Gesetzen zur Wahrung ihres rhy isch Ethos einheitlich b welche die den Gedanken bildenden Worte nach i und hhonischen Gesichtspunkten stellt und gruppirt, und welche endlich ihre Glieder durch Gleichklänge unter sich zu verbinden und zu schmücken liebt. Ob man berechtigt ist, diese Gleichklänge als Reim oder gar als Anfang und Ursprung des modernen Reims zu bezeich lassen wir dahi- Nach Gerber's Ausführungen(vergl. auch die Litteratur a. a. O) bin ich in meiner Ansicht bestärkt, dass von einer Erfindung des Reims durch ein Volk keine Rede sein könne, dass vielmehr die Freude an gleichen, das Ohr angenehm berührenden Klängen bei allen Culturvölkern zu ähnlichen Zier-und Bindemitteln der poctischen Darstellung führen musste, wie wir sie in den lateinischen Distichen als f 1 in den modes Dicl als Reim bezeich Wie weit der letztere durch die lateinische Poesie beeinflusst und hervorgerufen sei, können und wollen wir nicht untersuchen, jedenfalls zeigen beide neben manchen Berührungspunkten doch auch wesentliche Verschiedenheiten. Reimähnlich sind die Homocoteleuta in 3 Punk- ten: 1. Metrische Pausen werden markirt und zugleich die Reihen, weil auf einander hin- weisend, mit einander in hörbare Beziehung gesetzt und dadurch mit einander verbunden. 2. Die durch Homoeoteleuta verbundenen Worte sind für den Gedanken wichtig und stehen oft zugleich in innerer Gedankenverbindung. 3. Sie finden, wie der Reim, naturgemäss da am besten ihre Anwendung, wo die Darstellung nicht erzählend vorwürts eilt, sondern betrachtend verweilt; beide sind also ihrer inneren Natur nach vorwiegend lyrisch.
Wichtige Unterschiede aber bestehen darin, dass 1) der Reim nicht an das Ende von metrischen Reihen, sondern von Versen zu stehen kommt, dass 2) der Reim, wenigstens im Deutschen, sich nie mit Gleichheit von Formsilben begnügt, sondern Gleichklang von Be- griffswörtern verlangt, und dass endlich 3) der Reim nie zum blossen äusseren Klange werden darf, sondern immer zugleich ein innerliches Spiel und Gegenspiel mit verwandten, auf einander hin- und zurückweisenden Begriffen sein muss.


