Aufsatz 
Bemerkungen über den metrischen und rhythmischen Bau, sowie über den Gebrauch der Homoeoteleuta in den Distichen des Catull, Tibull, Properz und Ovid / von Ernst Eichner
Entstehung
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Seellung der Worte.

treu, den Gedanken mit der Strophe ganz oder doch in gewissem Sinne abschliessen; demnach pleiben ganze Partien(z. B. aus den Fasten und aus längeren Gedichten des Catull), welche durch lebhaft fortschreitende Erzühlung oder sonstwie aus dem Charakter der Strophe etwas heraustreten und darum nothwendig mit ihren sonst geltenden Gesetzen in Widerspruch gera- then, völlig unberücksichtigt. 2) Auch so ist die Masse der Verse und die Verschiedenartig- keit der möglichen und wirklich vorkommenden Formen in der Weise überwältigend, dass es genügen muss die Hauptgesichtspunkte, welche bei ber metrischen und zugleich grammati- schen Gliederung und Stellung der Worte vornehmlich in Betracht kommen, aufzustellen und durch ausgewühlte Beispiele zu verdeutlichen.

1. Die durch den Versbau, wie oben gezeigt, besonders hervortretenden Stellen, näm- lich in erster Linie die Ausgänge der 4 Reihen, zumal der mit der Arsis schliessenden, in zweiter Linie die Nebencäsur des Hexameters,*) werden am besten von Worten eingenommen, die auch für den Gedanken besonders wichtig sind. So trifft der stärkere Verston mit der stärkeren Gedankenbetonung zusammen. Eiuzelne Fälle davon sind die folgenden:

d. Ein Wort desselben Stammes, zweimal in einem Distichon vorkommend, wird seiner Wichtigkeit gemäss gern gegensätzlich an den Ausgang zweier Reihen gestellt. Von den sehr zahlreichen Beispielen nur einige: Cat. 78, 3 Ausgaug I bellus, III bello; 99a,5 I omnino, III omnino; 82,1 I oculos, IV oculis, 87,7 II fias, IV facias; libull III, 6,53 Nebencäsur des Hex. longas, III longos; Prop. IV, 7,33 I pro te, III in te; III, 30,53 I aquae, IV aquas; V, 5,77 II saxis, III saxis; Ovid Art. I 729 I amans, II amanti; Fast. IV, 739 II fumi, III fumanti; Epp. ex P. III, 7,13 1 feres, II tulisti; Am. III, 4,7 II claudas, III exclusis; Fast. II, 479 II Quirites, IV Cures; Trist. I, 8,7 I fieri, Nebencäsur des 1 fient; Am. I, 8,71 1 amor, II amari, IV amor; endlich noch Prop. V, 6,43 II augur, IV aves. Alle derartigen ispiele suchen natürlich den gleichen rhythmischen Tonfall; eine Entschuldigung für die Verletzung der metrischen Norm am Ende des Distichons ist hieraus, ausser für ein oben schon augeführtes Distichon(Epp. ex P. III, 5,39 1 recitas, IV recitent), auch für Epp. ex P. II, 2,5 zu entnehmen:

Ei mihi! quid lecto vultus tibi nomine non est Qui fuit, et dubitas cetera perleger e?

Zuweilen wiederholen sich mehrere Worte in 2 Reihen: Zz. B. Ovid Art. I, 191 T Au⸗ spiciis animisque patris, IV auspiciisque patris; Am. III, 11,25 I Dicta erat aegra mihi, IV non erat aegra meo; Fast. IV, 811 II moenia ponere utrique, IV moenia ponat uter. Selbst ganze Reihen bilden sich genau aus denselben Worten: Zz. B. Ovid Am. III, 2,27 I und IV Jnvida vestis eras; Tibull III, 4,65 1 und III Saevus amor docuit; Amor. I, 9,1 I und IV Militat omnis amuns; III, 6,61 I und IV Ilia pone metus; Heroid. V, 117 I und IV Graja juvenca venit(Vergl. auch Rem. am. 71; Fast. IV, 365).

b. Dasselbe gilt von sinnverwandten Worten: mögen sie nur hinweisend neben einan- der oder sich scharf entgegengestellt sein, in der Regel werden sie auch metrisch heryvor- gehoben und an den Ausgängen der Reihen(oder Halbreihe) sich gegenübergestellt. Unter

*) Wollto man einen Schritt weiter gehen, so würde sich leicht zeigen lassen, dass, entsprechend der Wort- stellung im Satze, auch in den Reihen die Anfünge nach den A am sind, sicher als die mittleren Stellen der Reihe. Wir halten uns jedoch nur an das, was sich am einfachsten von unserm früher befolgten Prinoipe der Gliederung des Distiekons ableiten lisst.