den fast zahllosen Beispielen, die man freilich oft nur bei eingehender Betrachtung erkonnt, sind besonders auch solche ungemein häufig. wo die sprechende Person auf sich hinweist oder sich der angeredeten oder einer dritten Person gegenüberstellt. Ich wähle besonders solche Beispiele, die zugleich metrisch von irgendwelchem Interesse sind: Ovid Her. XII, 147 T quidquid erat, IV tristis erat; Trist. II, 167 I Ut faciuntque tui, III Per tua perque sui; I, 9,63 I excusari, III defendi, V, 4,45 I suum, II tuumque, III illi, IV suo; IV, 3,79 I bonis, IV malis, Epp. ex P. III, 6, 11 I sui, III tibi, IV mihi; Art. II, 461 I saevierit, IV mitis erit; Catull 66,75 I laetor, IV discrucior; Tibull I, 1,33 I exiguo, III magno; Epp. ex P. III, 9,5 I de multis, II unum, III solum; Prop. II, 4,1 I tenear, III moriar; Fast. IV, 79 I Solymus, III Sulmol Auch mehrere Worte, zum Theil übereinstimmend, stellen sich so in Reihen gegenüber: Fast. V, 523 1 Verba fuere Jovis, IV verba fuere senis; Amor. II, 16,11 I ignis abest, IV ardor adest; Prop. II, 4,27 I Hostis siquis erit, IV siquis amicus erit; Trist. I, 3,99 I Et voluisse mori, IV non volnisse mei; Am. II, 2,17 I Conscius esse velis, III Conscius esse times. In diesen und vielen ähnlichen Distichen sieht man also die Erammatische Hinweisung und Gegen- überstellung nicht bloss durch die Stellung im Verse, sondern oft auch durch gesuchte metri- sche und rhythmische Gleichheit hervorgehoben und hörbarer gemacht.
c. Grammatisch zusammengehörige oder auf einander bezügliche Worte folgen, natür- lich soweit es nicht durch unumstössliche Sprachgesetze geboten ist(z. B. Stellung der Pra- Position, Negation u. öhnlich nicht ittelbar in derselben Reihe auf einander, sondern vertheilen sich auf meinere Reihen: so Subject und Prädicat, Substantiv und Attribut, Verbum und Ergänzung oder nähere Bestimmung. Haben solche Worte besonderen 5 Jachdruck für den Gedanken, so treten sie, eines oder beide, an die metr. bedeutenden Stellen des Verses. Der grammatische Grund ist sofort einleuchtend: auch ein metrischer führt ebendahin. Wenn nämlich die grammatisch zusammengehörigen Worte sich nach den Reihen sonderten, so wür- den die Glieder der Strophe zu sehr sich selbst genug und abgeschlossen sein: darum ist auch metrisch das Streben begründet, die auf einander bezüglichen Worte so auf die Reihen zu vertheilen, dass letztere sich gegenscitig ergänzen, die eine auf die andre hinweist, die eine der andern zum vollen Abschluss bedarf und so die ganze Strophe gleichsam periodisch ge- gliedert und abgerundet ist. Dazu kommt, dass die gleichen Flexionssilben, welche dicht hin- ter einander oft übelklingend und eintönig werden müssten, durch Vertheilung auf die Aus- gänge der Reihen oder der Halbreihe zu einem Schmucke des Verses und zu einem Bande der Reihen werden. Beispiele über diesen dritten Punkt der Wortstellung sind so gewöhulich, dass sie fast in jedem Verse begegnen. Soviel ist klar, dass die besonders oft behandelte Prage über die Stellung der Epitheta sich nach unserem allgemeineren Gesichtspunkte von selbst löst und als eine Seite jenes Gesetzes darstellt.*)
*) Aus den Bestimmungen über die Vertheilung der Worte ist auch niecht selten ein Kriterium für die Fest- stellung der Cusur im Hexammeter au gewinnen. Sowohl der Zusammenhang als der Wohlblang erheischen z. B. Trist. II, 365 so zu lesen:
Lesbia quid] docuit Sappho] nisi amare puellas? Tuta tamen Sappho, tutus et ille fuit. Aehnlich Heroid. JII, 163: Serpentes] igitur potui taurosque furentes, Unum non potui perdemuisse virum.


