können wir demzufolge keine Nebencäsur statuiren. Nur in dem Gliede, welches die gewöhn- liche Ausdehnung um 1 Fuss überschreitet, also 3 ¼ Fuss umfasst, werden wir die obigen Er- fordernisse einer Nebencäsur vereinigt finden, d. h. im ersten Gliede des Hexameters, wenn dieser die Hephthemimeres zur Hanptcäsur hat oder im zweiten Gliede des Hexameters, wenn dieser die Penthemimeres zur Hauptcäsur hat. Ueber beide Fälle das Nöthige.
1. Nebencäsur bei der lephthemimeres.
Um die lüngere Reihe in sich zu verbinden und zugleich in ihr einen angemessenen Ruhepunkt zu gewähren, verlangt die gute Regel eine männliche Nebencsur und zwar nach der Arsis des 2.(lrithemimeres) oder nach der Arsis des 3. Fusses(Penthemimeres). Wo die Hephthemimeres unzweifelhaft die Hauptcüsur ist— weil nämlich die Penthemimeres fehlt— findet sich fast überall zugleich die Trithemimeres. Ausnahmen*) von diesem Gesetz giebt es bei Catull 4, bei Tibull 12, bei Properz 17. bei Ovid keine einzige. Oft ist bei der Trithe- mimeres zugleich interpungirt, verhältnissm selten ist Elision an dieser Stelle und ebenso selten trifft die Nebencäsur zwischen 2 eng zusammengehörige Wörter.— Wenn Hephthemi- meres und Penthemimeres sich allein, d. h. ohne Trithemimeres, neben einander finden, wird man in der Regel, wofern nicht triftige Gründe dugegen sind, die letztere als Hauptcüsur anzu- sehen haben. Wird man schon in diesem Falle schwanken, so wird Zweifel noch mehr am Platze sein in den nicht selten vorkommenden Versen, welche 3mal auf die Arsis ausgehen. Entweder ist dann die Peuthemimeres die Haupt- und die Hephthemimeres die Nebencäsur, oder die Trithemimeres ist Neben- und die Hephthemimeres Hauptcäsur. Eine sichere Ent- scheidung vird, wo sie nöthig sein sollte, sich aus folgenden Kriterien ergeben: 1. aus dem Zusammenhange, resp. aus der Interpunktion; 2. aus dem Wohlklange; 3. aus gewissen feine- ren Beobachtungen, welche Wörter oder Satzglieder die Dichter in die Cüsur oder Neben- cäsur oder zwischen Haupt- und Nebencäsur zu stellen lieben; 4. aus den Homoeoteleuten am Ende der Reihe oder Halbreihe.
Beispiele ad 1:
Illa fuvety seu quis juvenis nova limina temptat(Tib. I, 2, 17). Atque aliquis voti compos] liba ipse ferebat(Tib. I, 10, 23). Aut dixit: venies hodie, cessabimus una(Prop. IV, 23, 15).
ad 2: Et me lustravit taedis, et nocte serena(Tib. I, 2, 61). Saepe illic positi] teneris adducta lacertis(Ov. Art. I, 231). Tunc aperit mentes] aevo rarissima nostro(ib. 241).
ad 3: Di faciant, mea ne terra locet ossa frequenti(Prop. IV, 15, 25). Spectabunt laeti juvenes] mixtaeque puellae(Ov. Art. I, 217). Vincuntur causa Parthi] vincantur et armis(ib. 201). Spectatum veniunt!] veniuntl spectentur ut ipsae(ib. 99).“*)
* Catull 66, 11; 67, 27, 39; 68, 81. Tibull I, 1, 35; 2, 27, 63, 7, 61; 8. 7; 10, 37; II, 1, 35; 3. 25. 71; 5, 11; 6, 29; IV, 6, 13. Properz II, 9, 9; III. 6, 3; 13. 13; 18. 7; 20, 39; 27, 31; 30, 53; 32, 39, IV, 1, 41; 5,39; 10, 33 13, 7; V, 5, 21;7. 5; 8. 61, 63; 10, 17.
** Zu den Beispiolon ad 3 nur wenige Worto: Das ersto Beispiel soll zeigen, dass man die Hauptehsur nicht nach oinem kurzen und unbedeutenden, sondorn, wo es irgond angeht, nach einem mehrzilbigen und inhaltsvollen Worte anzunehmen hat. 2


