Aufsatz 
Bemerkungen über den metrischen und rhythmischen Bau, sowie über den Gebrauch der Homoeoteleuta in den Distichen des Catull, Tibull, Properz und Ovid / von Ernst Eichner
Entstehung
Einzelbild herunterladen

durch seine Leichtigkeit, sondern auch dadurch, dass er den Rhythmus wechselvoller gestalten kann. Bei auf einander folgenden Spondeen besteht die rhythmische Kunst des Dichters aus. schliesslich darin, dass er die Wörter nicht mit den Füssen fallen, sondern mo in den folgenden Versfuss hinüberreichen und dadurch die Füsse mit einander verknüpfen lüsst. Während also bei Spondeen der Rhythmus nur danach modificirt Vird, ob der Wortausgang

.auf die einsilbige Arsis oder auf die ebenso beschaffene Thesis füllt, so kann in Daktylen der

Gleiehartiger

Rhythmus ausserdem noch dann ein andrer werden, wenn der Wortausgang zwischen die bei- den einsilbigen Thesen trifft. So scheint mir nach der Natur des daktylischen Versfusses ein dreifach verschiedener Rhythmus möglich zu sein:

1) Der Wortausgang fällt auf die Arsis und der nächste Einschnitt trifft auf die nächste Arsis, so ist zwischen beiden Arsen steigender Rhythmus und zwar rasch und energisch (CS=) oder ruhig und langsam steigender();

2) Steht ein Wortende in der Thesis und ist erst bei der nächsten Thesis ein Einschnitt möglich, so entsteht fallender Rhythmus und zwar rasch und energisch fallender() oder ruhig und langsam fallender();

3) Trifft endlich ein Wortausgang mit der ersten Thesis des Daktylus zusammen und ist der nächste Einschnitt erst hinter der folgenden Arsis zu machern, so nennen wir den Rhythmus gleitend oder schwebend( SS).

Ich verhehle mir nicht, dass die praktische Anwendung dieser Dreitheilung des Rhyth- mus grössere Schwierigkeiten bietet, als die mehr äusserliche, bloss auf die Daktylen Rück- sicht nehmende Eintheilung, welche nicht den Versfuss, sondern die Beschaffenheit der am häufigsten vorkommenden Wörter zu Grunde legt und der ich in meiner Dissertation(p. 12, 19 Anm. und öfters) gefolgt bin. Schwierigkeiten, den Rhythmus zu bestimmen, entstehen, wenn einsilbige oder aus 2 kurzen Silben bestehende Wörter mehrfach auf einander folgen, und durch vielsilbige Wörter. Abgesehen aber davon, dass weder das eine noch das andre gern geduldet wurde und der Grund für beides ist leicht erfindlich, so muss sich auch in allen ifelhaften Fällen aus folgenden zwei Gesich ten der Rhythmus tellen lassen: 1. Man lasse den Einschni i 2 eng hhörigen Wörtern unbeachte und ziehe die Wörter je nach ihrer grammatischen Verbindung enger oder weniger eng zusammen.

2. Man übersche nicht, in welcher Reihe die Wörter stehen, denn, wie wir bald sehen werden, kommt nicht bloss den Füssen innerhalb jeder Reihe je nach den Wortaus- güngen, sondern auch den Reihen im Verse und auch jeder Reihe in der Strophe ein be- stimmter, innerlich begründeter Rhythmus zu.

Wir haben auch nirgends behauptet, dass der Rhythmus in allen Gliedern derselbe

Bau der Verse Sei, sondern wir fanden die metrische Zusammengchörigkeit der Reihen zu einem Ganzen nur

ausgedrückt in der Gleichheit des Versfusses und in der daraus entstehenden Möglichkeit, den- selben Rhythmus in jedem Gliede hervorzubringen. Dieselbe Zusammengehörigkeit, geht aber ferner auch hervor aus der gleichen Zerlegung jedes Verses in 2 Reihen von fast gleicher Ausdehnung und meist gleicher Abrundung, und endlich, damit zusammenhängend, auch daraus, dass beide Verse in ihrer Anlage gleich gebaut, ja dass der eine aus dem andern hervorge- gangen ist. Der Pentameter ist nichts anderes als ein modificirter Hexameter, modificirt durch die Unterdrückung der Thesis in der Mitte und am Ende. Wenn vir nun hier auf den ursprünglich und im Allgemeinen gleichen Bau der Verse etwas näher eingehen wollen, so