das ganze Distichon ausbreiten oder, Vas natürlicher und darum gewöhnlicher ist, in 2, 3 oder 4 Abschuitte zerlegen, die in dem denartigsten Verhältnisse zu einander stehen. Selbst- verständlich füllt diese Gedankengliederung mit der metrischen meistentheils zusammen, aber nicht selten weicht sie von ihr ab. In letzterem Falle entsteht die Prage, ob die grammatische oder die metrische Gliederung mehr Beachtung erfordert, oder mit andern Worten, ob man nach der Interpunktion oder nach der Cäsur zu lesen hat. Die Antwort auf diese Prage ist schon in dem ersten Theile dieses Capitels im Anschluss und in Uebereinstimmung mit L. Müller dahin gegeben, dass die Rücksicht auf das Metrum überwiegt. Indess zwingt eine grössere Interpunktion den Leser von selbst ein wenig anzuhalten, um die nicht zusammengehörigen Worte zu sondern. Wenn wir nun auch diese durch den Gedanken bedingte Pause da, wo sie nicht mit der Cäsur zusammenfällt, oft mit der Nebencäsur, von der weiter unten die Rede sein wird, zusammentreffen schen, so bleiben doch noch Verse genug übrig mit grösserer Iuter- punktion an solchen Stellen, wo metrisch eine Pause schlechterdings nicht zu begründen ist. Es scheint fast, als wenn die Dichter durch solche Zwischenpausen den in seiner Grundlage gleichmässigen und immer wiederkehrenden Bau der Strophe unterbrechen und vor Mounotonie bewahren wollten. Die Gefahr des ermüdenden Einerlei konnte allerdings befürchtet werden, wenn die Dichter darauf ausgegangen wären, den Gedanken regelmässig so in den metrischen Bau hinei ängen, dass eine grammatische Pause nur an der Cäsur oder Nebencäsur gestattet wäre. Denn wenn die metrische Pause jedesmal durch die grammatische verstärkt und verlän- gert würde, so müsste die Gliederung, gewissermassen das metrische Gerüst, übermässig her- vortreten., Dazu kommt, dass durch eine stärkere Interpunktion, am Ende eines Gliedes regel- mässig wiederkehrend, die Theilung der Strophe zu schroff, die Reihen zu sehr sich selbst genug und abgeschlossen sein würden. In der Regel also bilden die Glieder nicht selbstindige
durch starke Interpunktion hiedene grammatische Abschnitte, sondern alle 4 ergänzen sich zu einem Ganzen, gegenseitig auf einander hinweisend. Wie die gr. tische Z. bhörigkeit der Glieder, so ist in noch höherem Grade Marrisch.
auch die metrische erkennbar. Zunächst gehört die ganze Strophe demselben Rhythmenge- schlecht an, Tévos tco genannt, weil in jedem Versfusse die Thesis der Arsis an Zeitdauer gleich Versfiss, ist, oder Tévos daxokezéy genannt, weil der zu Grunde liegende Versfuss der Daktylus ist. Jede der 4 Reihen kann aus lauter Daktylen— natürlich mit Ausnahme des letzten Pusses von II— bestehen,— eine Möglichkeit, die jedoch in der Regel nicht zur Anwendung kommt. Abgesehen von den in der Natur der Sprache gegründeten Schwierigkeiten würde der Charakter des Distichons durch lauter Daktylen zu leicht beweglich und gewissermassen zu flüssig wer- den. Darum darf es nicht bloss geschehen, sondern scheint es sogar geboten, dass überall da, wo diese leicht und schnell fortschreitende Beweglichkeit nicht unbedingt erforderlich schien, durch Contraktion der Thesen, so dass aus dem Daktylus der Spondeus wird, der Strophe mehr Gewicht und Festigkeit verliehen wird. Die Kunst des Versbaus besteht aber nicht bloss Rhythmus. darin, durch ansprechenden Wechsel des Spondeus und Daktylus die Strophe sowohl vor allzu peweglichem Plusse als vor Schwerfälligkeit zu bewahren, sondern auch darin, dem Gedanken die Strophe so anzupassen, dass würdiger und nachdrucksvoller Inhalt durch gemessenes und gewichtiges Fortschreiten, der leichtere und gefälligere Inhalt aber durch rasches und anmuthig wechselndes Fortschreiten des Rhythmus auch äusserlich seinen Ausdruck finde und durch die Wirkung auf den äusseren Sinn des Gehöres den inneren Eindruck begleite und unterstütze.— Der Daktylus unterscheidet sich, wie eben angedeutet vurde, von dem Spondeus nicht bloss


