sie es in ihren Dichtungen nicht so fein und getreu zum Ausdruck bringen, nicht so bewusst und streng festhalten können. Ovid wenigstens, der Meister im Versbau unter den römischen Elegikern, spricht den Charakter des Distichons in klaren Worten aus, wenn er sagt(Amor. I, 1, 27*): Sex mihi surgat opus numeris, in quinque residat. Und das bekannte Distichon Schillers: „Im H. steigt des Springquells flüssige Säule, 4 Im Pentameter drauf füllt sie melodisch herab.“
drückt nicht bloss dieselbe Erkenntniss von der metrischen Einheit und dem rhythmischen Ethos des Distichons aus, sondern weiss dieselbe auch poetisch schön und treffend zur Anschauung zu bringen. Gewiss ist dieses Ansteigen und Hinabfallen der Charakter der elegischen Strophe; darin liegt es begrün- det, dass das Distichon, wie rhythmisch, so auch grammatisch einen Abschluss findet, dass es ein einheit- liches Ganzes bildet; daraus müssen auch die metrischen Beobachtungen über das Distichon ihren Aus- gangs- und Gesichtspunkt gewinnen. Man verstehe mich indessen nicht falsch: ich habe nur behauptet, dass der rhythmische Charakter des ganzen Distichons von den beiden Dichtern richtig erkannt sei, und in dieser Allgemeinheit wird sich auch metrisch ihr Urtheil als richtig erweisen. Die Metrik aber, d. h. die Betrachtung, wie sich in rein technischer Weise die Worte im Munde des Dichters zu Füssen, zu Reihen, zu Versen, zur Strophe zusammenfügen, muss die Grundlage für die Forschung, der Prüfstein des Urtheils sein. Man darf also den Rhythmus nicht in den Vers hineinlesen, sondern man muss ihn aus den Worten heraushören und Jesen. Es wird demnach erst aus unsern metrischen Bemerkungen zu beurtheilen sein, wie weit jenes rhythmische Urtheil über das Distichon durch den metrischen Bau der Strophe bestätigt oder inwiefern es etwa modificirt werden muss. Für jetet genügt es, auf die gram- matische und rhythmische Einheit des Distichons hingewiesen und damit den richtigen Gesichtspunkt für die métrische Betrachtung gefunden zu haben. Und dieser metrischen Behandlungsweise des Disti- chons folge ich hier nicht zum ersten Male. Schon in meiner Dissertation**) ging ich von demselben Gesichtspunkte aus. Die folgende Abhandlung vill nichts weiter sein, als eine einheitlicher und zusam- menfassender gehaltene Fortsetzung und Durchführung jenes ersten Versuchs. Auch hier von der Ein- heit des Distichons ausgehend, will ich zeigen, wie sich das Ganze gliedere, ferner welches der metrische Bau und dem entsprechend der rhythmische Charakter jedes Gliedes und daraus abgeleitet der ganzen Strophe sei, endlich wie die Glieder dieser Strophe durch den gleichen Ausgang der Schlusswörter, d. h. durch ein unserm Reim verwandtes Band dem Ohre hörbar auf einander hinweisen und unter sich ver- bunden sind.
Se
* Ich citire Catull nach der Haupt'schen, Tibull nach der Rossbach'schen, Properz nach der Keil'scheu und Orid nach der Merkolschen Ausgabo.
** De poetaram Latinorum usque ad Augusti aetatem distichis quaestionum metricarum partienlae duae, dissertatio inaugu- ralis, Vratislaviae anno MDCCCLXVI.


