Aufsatz 
Bemerkungen über den metrischen und rhythmischen Bau, sowie über den Gebrauch der Homoeoteleuta in den Distichen des Catull, Tibull, Properz und Ovid / von Ernst Eichner
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Bemerkungen über den metrischen und rhythmischen Bau, sowie über den Gebrauch der Homoeoteleuta in den Distichen des Catull, Tibull, Properz und Ovid.

VoswoRT.

auf getrennte Behandlung des Hexameters und des Pentameters. Und von gleicher Behandlungs- weise sind bei den vorliegenden, zum Theil mustergiltigen Arbeiten auf diesem Gebiete neue und vichtige Resultate nicht zu erwarten. Wenn ich trotadem das oft bearbeitete Feld von neuem zum Gegenstand der Forschung mache, so finde ich den Muth und die Berechtigung hierzu in dem neuen Gesichtsbunkte, unter welchem ich den Bau des Distichons aufzufassen versuchen will. Es genügt mir nicht, die beiden Verse gesondert zu behandeln, sondern ich gehe von der Einheit aus, in welche beide verschmelzen, ich sehe in dem Distichon ein Ganzes, eine Strophe, deren Bestandtheile sich so eng z2u einem Ganzen von bestimmtem, immer deutlicher erkennbarem Charakter zusammenschliessen, dass man nicht aus dem Einzelnen das Ganze, sonddern umgekehrt aus dem Gunzen das Einzelne betrachten und erkennen muss. In grammatischer Bezichung ist diese Einheit des Distichons längst gewürdigt, man hat schon lange beobachtet und ein Blick in die Werke der elegischen Dichter überzeugt uns von der Richtigkeit dieser Beobachtung dass immer regelmässiger der Gedanke mit dem Distichon abschliesst e doch eine längere Dause erheischt. Wenn dies schon Grund genug würe, auch metrisch und rhyth- uusch die Einheit zu suchen und festuhalten, so müssen wir von jener äusserlichen Zerlegung des Disti- chons noch mehr zurückkommen, wenn wir uns überzeugen, dass innerhalb des vom Distichon beschrie- benen Kreises die gleichmässige Theilung des Gedankens auf Hexameter und Pentameter eher vermieden als gesucht wurde. Der Charakter des Abgeschlossenen und Fertigen kommt eben nur dem Distichon als solchem zu: jeder der beiden Verse ist nur ein Glied in dem Ganzen und zwar ein Glied, das zwar immer ein und dieselbe Stelle und darum die nämliche Bedeutung für das Ganze behauptet, das man aber nicht loslösen darf, wenn man es richtig beurtheilen und nicht bloss äusserlich anschauen will. Auch die rhythmische Einheit des Distichons ist längst nicht bloss gefühlt, sondern auch ausge- sprochen. Schon die lateinischen Elegiker mussten den Charakter der Strophe, ihr rhytnmisches Ethos erkennen, das volle Bewusstsein und Verständniss desselben in sich auf, haben, sonst hätten

2 7.