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und die heftigſten Manifeſte wurden gegen den Kaiſer erlaſſen. Er habe, erklärten die Verbündeten, ſelbſt den Krieg gegen ſich heraufbeſchworen, weil er ſeinen Zuſagen zuwider die evangeliſche Lehre unterdrücke, den Landgrafen wortbrüchig und treulos be⸗ reits vier Jahre lang in Gefangenſchaft halte und die Reichsver⸗ faſſung umzuſtürzen trachte. Prinz Wilhelm kündigte noch be⸗ ſonders die halliſche Capitulation auf. Eine ſchwere Zeit brach über den Kaiſer herein. König Heinrich II. von Frankreich hatte ihm den Krieg erklärt, Suleiman drohte, und krank und rathlos lag der Kaiſer zu Innsbruck. Alle Gemüther hatte er ſich ent⸗ fremdet, und niemand war zu ſeiner Hülfe bereit. Als er die Nachricht von der Einnahme der Ehrenberger Klauſe durch die Verbündeten erhalten hatte und ſeine perſoͤnliche Sicherheit mit der dringendſten Gefahr bedroht ſah, ergriff er am 19. Mai 1552 die Flucht, kündigte an demſelben Tage dem gefangenen Johann Friedrich ſeine Freiheit an und ließ es geſchehen, daß König Fer⸗ dinand zu Paſſau den Interimsfrieden vom 16. Juli 1552 mit den Proteſtanten abſchloß. Danach ſollten die Waffen ruhen, die ausgeſprochenen Achtserklärungen zurückgenommen, der Land⸗ graf ſofort befreit, der Religionsſtreit friedlich, durch eine Synode oder einen Reichstag, geſchlichtet werden.
Endlich nach mehrmaliger Verzögerung, als des Kaiſers eigenhändiger Befehl dem ſpaniſchen Hauptmann keine andere Wahl mehr ließ, wurde Philipp am 4. September 1552 in Freiheit geſetzt. In Tervueren nahm er von der Königin Maria Abſchied und ritt über Cöln, Jülich und Siegen in ſein Land zurück, wo das treue Volk ſeiner harrte. Mit unbeſchreib⸗ licher Rührung wurde der in der Gefangenſchaft ergraute Land⸗ graf an der heſſiſchen Grenze von ſeinen Söhnen und ihren zahl⸗ reichen Begleitern empfangen, und als er über Marburg am 12. September in Caſſel anlangte und ſich in die St. Martins⸗ kirche begab, um hier an dem Grabe ſeiner edlen Gemahlin zu beten, folgten ihm die Bürger, ſeinen Schmerz in treuer Liebe theilend. Im ganzen Lande wurde am 17. September die Rück⸗ kehr des theueren Fürſten gefeiert, überall gab ſich der Jubel über ſeine Befreiung kund, und wenn auch die Gefangenſchaft ſeiner körperlichen Kraft geſchadet hatte, ſo war doch ſein Geiſt noch ungeſchwächt, und bis an das Ziel ſeines Lebens beſtrebte er ſich, ſeinem Volke durch Erhaltung des Friedens nach Außen und durch Beförderung der Wohlfahrt im Innern die auch im Unglück ihm bewährte treue Anhänglichkeit zu vergelten. 3
Seinem Schwiegerſohn, dem Kurfürſten Moritz, der den Landfrieden gegen ſeinen früheren Verbündeten, Albrecht von Culm⸗ bach, aufrecht erhalten wollte, ſchickte er zwar eine Unterſtützung, die ihm am 9. Juli 1553 bei Sievershauſen, wo Moritz im wil⸗


