Aufsatz 
Philipp der Großmüthige, Landgraf von Hessen, als Regent und Reichsfürst / geschildert von E. Schaumann
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den Schlachtgetümmel von einer Kugel tödtlich getroffen wurde, den Sieg erfechten half, von weiteren kriegeriſchen Unternehmungen hielt er ſich aber fern, nur zum Schutz für ſein Land und zur Abwehr böswilliger Angriffe erneuerte er die Feſtungen Caſſel, Gießen, Rüſſelsheim, verſtärkte die Feſtung Ziegenhain und ver⸗ ſah Rheinfels mit neuer Munition.

Mit den deutſchen und den ausländiſchen Fürſten blieb er in freundlichem Einvernehmen, namentlich mit Ferdinand, der nach Karl's V. Abdankung den deutſchen Kaiſerthron beſtieg und auf die Erhaltung des Religions⸗ und Landfriedens bedacht war, mit Auguſt, dem tüchtigen Nachfolger des Kurfürſten Moritz, vor Allen aber mit Herzog Chriſtoph von Württemberg, der fortwährend im vertrauteſten Briefwechſel mit ihm ſtand und drei ſeiner Töchter mit drei Söhnen Philipp's vermählte. Im Jahr 1557 brachte er auch unter Vermittelung der Kurfürſten von Sach⸗ ſen und von der Pfalz und des Herzogs von Württemberg ſeine langjährige Streitigkeit mit Naſſau zum Abſchluß. Gegen eine Entſchädigung von 600000 Gulden und die erbliche Abtretung mehrerer Aemter verzichtete Naſſau auf die obere und niedere Grafſchaft Katzenellenbogen.

Wenn aber der Landgraf ſeit ſeiner Rückkehr aus der Ge fangenſchaft auf die Beilegung alter Streitigkeiten, auf die Be⸗ wahrung des Friedens, auf den freundlichen Verkehr mit den deut⸗ ſchen und auswärtigen Fürſten einen ſo hohen Werth legte, ſo glaubte er dadurch hauptſächlich auch eine Pflicht gegen ſein Land zu erfüllen, das ihm während ſeiner Leidensjahre ſo überaus viele Beweiſe ſeiner Treue gegeben hatte und dem er durch die Seg nungen des Friedens ſeine Liebe zu erwiedern gedachte. Ueberall zu helfen und das Gute zu fördern bereit reiſte er fleißig umher, um die Zuſtände mit eigenen Augen zu ſehen und die vorhandenen Mängel zu ergründen und abzuſtellen. Am liebſten weilte er, außer in Caſſel, auf den Jagdſchlöſſern Zapfenburg, Friedewald, Wolkersdorf, in Spangenberg, Allendorf, Melſungen, Homberg, Rotenburg, Marburg, aber auch an anderen Orten erſchien er, um perſönlich die Zuſtände zu prüfen, und wenn er nicht ſelbſt kam, ſchickte er zuverläſſige Abgeordnete, um das Wirken der Beamten und Gemeindevorſtände zu überwachen, Mißbräuche abzuſtellen, Unordnung und Unterſchleif zu verhüten. Das Verdienſt gewiſſen⸗ hafter Räthe und Diener, welche der Erfüllung ihrer Pflicht ihr Leben weihten und ihm das wahre Wohl des Vaterlandes treu⸗ lich foͤrdern halfen, erfreute ſich ſeines beſonderen Schutzes und ſeiner lebhaften Anerkennung, und er wußte ſie durch gerechte Würdigung ihrer Zuverläſſigkeit und Treue dauernd an ſich zu feſſeln. Vorzügliche Aufmerkſamkeit widmete er ſeiner Univerſität und den zahlreichen und großartigen milden Stiftungen, die er