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Gegner ſich beugen mußte, nicht verſagen, ihn ſeine Gewalt und ſeine Rache ſchwer empfinden zu laſſen. Damals, im berau— ſchenden Gefühle des vollſtändigſten Triumphes über ſeine Feinde, dachte er nicht daran, daß auch ihn die Vergeltung ereilen und er gerade durch den Mißbrauch dieſes Sieges den Grund zu der eigenen Demüthigung legen könne.
Der Landgraf, der ſich Anfangs wahrer Verzweiflung überließ, fuhr bis Naumburg mit dem gefangenen Kurfürſten in demſelben Wagen; hier wurden ſie getrennt. In der Hoffnung, ſeine Freilaſſung werde erfolgen, wenn er die übrigen Vertrags⸗ beſtimmungen erfüllt habe, that Philipp, was in ſeinen Kräften ſtand: die Geldforderung wurde befriedigt, Bürgſchaften für das Uebrige geſtellt— dennoch blieb er gefangen. Auch an die beiden Kurfürſten richtete er nachdrückliche Mahnungen. Aber ſo gerne ihn dieſe in Freiheit geſehen hätten, ſo blieben doch auch alle ihre Schritte bei der Unbeugſamkeit des Kaiſers ohne Erfolg. Ebleben und Günterode ſtarben vor Kummer. Der Gefangene wurde über Bamberg und Schwabach nach Donau⸗ werth, von da über Heilbronn, Schwäbiſch-⸗Hall, Speier in die Niederlande zuerſt nach Oudenarde, ſpäter(1550) nach Mecheln geführt und von ſpaniſchen Wächtern in engem Gewahrſam ge⸗ halten. Wie unglücklich er ſich hier fühlte, vermag die Feder nicht zu beſchreiben. An der von Jugend auf gewohnten freien Bewegung und Thätigkeit durch feindſelige, mißtrauiſche und hab⸗ ſüchtige Wächter gehindert, die ihn im Geiſte der unverſöhnlichen Rache, die über ihm ſchwebte, mit Härte und Hohn behandelten, ſuchte er zwar noch immer ſeines treuen Volkes Heil zu fördern und durch viele noch vorhandene Erlaſſe zum Beſten des Landes zu wirken, aber als im December 1550 ein verzweifelter Flucht— verſuch aus Mecheln mißglückt, ſeine deutſche Dienerſchaft ihm ent⸗ zogen, ſeine Haft noch ungleich ſchwerer geworden und er ſogar mit der Wegführung nach Spanien bedroht war: da traten wohl trübe Stunden ein, in denen er ſeinen noch nie erſchütterten Muth gebrochen fühlte.„Ich will lieber todt ſein,“ ſchreibt er einmal, „als länger gefangen.“
. Irnzwiſchen blieben ſeine treue Gemahlin Chriſtina, ſein älteſter Sohn Wilhelm, ſeine Räthe, ſeine Geiſtlichkeit und die große Zahl ſeiner Getreuen nicht müßig. Die Landgräfin bat zweimal, in Augsburg und in Speier, den Kaiſer, aber ohne Er— folg, fußfällig um Gnade, und der nagende Schmerz verkürzte ihr Leben*); der Sohn erklärte ſich bereit, für den geliebten
*) Die Landgräfin Chriſtina, geb. am 25. December 1506, ſtarb am 15. April 1549 und hinterließ ihrem Gemahl vier Söhne und funf Töchter. Die Soͤhne waren: Wilhelm, geb. 24. Juni 1532, Stifter der kurfürſt⸗


