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und Wall ꝛc. Wir finden aus allen Kundſchaften, daß ſie großen Schaden gelitten und viel in der Flucht geweſen. Nun liegen wir abermals drei Meilen vom Kaiſer. Sie ſagen, er wolle uns ſuchen, wir werden es erwarten. Ob er auch an Reiſigen etwas ſtärker iſt, Gott iſt noch gewaltiger. Wenn wir einander treulich helfen und nicht Einer auf den Andern wartet, wird's nicht Noth haben. Wäre Ein Oberſter geweſen, es wäre ſchon lange mehr geſchehen.“ Aber mit Abſicht wich Karl, auch nachdem er am 17. September ein aus den Niederlanden unter Maximilian von Büren anrückendes Heer von 17000 Mann an ſich gezogen, jeder größeren Schlacht aus; kleine Gefechte und Scheinbewegungen hielten wohl das Bundesheer in beſtändiger Aufregung, ſie führten aber keine Entſcheidung herbei, und wie richtig der Kaiſer ge— rechnet hatte, der wohl wußte, welche wichtigen Ereigniſſe ſich bald in Sachſen entwickeln würden, lehrte der Erfolg. Schon fingen die Verbündeten Mangel zu leiden an, ſchon waren meh⸗ rere Städte des theueren Krieges müde; aber auch im kaiſerlichen Heere wütheten, beſonders unter den der kalten und regneriſchen Witterung ungewohnten Italienern, verheerende Seuchen, und es war in der That zweifelhaft, wer länger auszuharren im Stande ſein würde, als eine unerwartete und erſchütternde Nachricht im Lager der Verbündeten bei Giengen eintraf. Dem Herzoge Moritz von Sachſen, der ſich bis jetzt neutral verhalten und ſeine wahre Geſinnung ſo tief in ſich verſchloſſen hatte, daß Johann Friedrich bei einem etwaigen feindlichen Einfall in ſein Land während ſeiner Abweſenheit feſt auf den Schutz deſſelben vertraute, war endlich am 27. October 1546 vom Kaiſer die Kurwürde und das Land des geächteten Kurfürſten zugeſichert worden. Schon am 30. October überſchritten die Völker des Königs Ferdinand die Grenze und verbreiteten ſich über das ſächſiſche Kurfürſtenthum, das Kriegsvolk des Herzogs vereinigte ſich mit ihnen, und das wehrloſe Land ſtand ihm offen. Dahin zog es den Kurfürſten. Der Landgraf ſuchte ihn Anfangs zu be⸗ ruhigen, denn er ſelbſt hoffte noch auf eine Verſöhnung mit Moritz, der ihm als Gemahl ſeiner Tochter Agnes ſo nahe ſtand. An ſie erließ er deßhalb unter dem 7. November aus dem Feldlager zu Giengen ein Schreiben und trug ihr darin drin⸗ gend auf,„in ſeinem Namen ihren Herrn und Gemahl aufs Höchſte zu bitten, daß er von ſeinem Vornehmen abſtehen wolle.“ Aber Moritz gab der Stimme des Freundes, der ihm auch ſelbſt ſeine Vermittelung anbot, kein Gehör, und am 23. November geſchah darum das Unvermeidliche: das Lager bei Giengen wurde an dieſem Tage aufgegeben, und Johann Friedrich eilte der Heimath zu, wo er im December erſchien, von dem Volke freudig empfangen wurde und den Herzog Moritz bald 3*


