Aufsatz 
Philipp der Großmüthige, Landgraf von Hessen, als Regent und Reichsfürst / geschildert von E. Schaumann
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ſeine großen Werbungen fortſetze. Granvella rühmte dagegen des Kaiſers Bereitwilligkeit zur Eintracht, und dieſer ſelbſt leugnete, gleich ſeinen Räthen, jede feindſelige Abſicht gegen die Proteſtanten. Er entließ den Landgrafen mit unveränderter Freundlichkeit, denn er wollte auf jede Weiſe verhindern, daß die Bundeshauptleute ihm im Angriffe zuvorkämen, doch gelang es ihm nicht, das Miß⸗ trauen des Landgrafen ganz zu entfernen. Wenigſtens ſchloß dieſer ſein an den Kurfürſten von Sachſen gerichtetes Schreiben über ſeine Verhandlungen mit dem Kaiſer mit den Worten: Anders das Herz, anders die Worte. Bei ſolchen Geſinnungen konnte oder ſollte der Reichstag zu Regensburg im April und Mai 1546, den Philipp nicht beſuchte, keine Verſöhnung bringen. Als die Proteſtanten ſich auf den Reichstag zu Speier vom Jahr 1526 beriefen, überflog ein ſpöttiſches Lächeln das Ge ſicht des Kaiſers, denn inzwiſchen war er mit ſeinen Rüſtungen ſo weit gediehen, daß er ſeiner bis dahin beobachteten zögernden Politik entſagen und mit einer bedeutend überlegenen Macht den Landgrafen nebſt dem Kurfürſten von Sachſen demüthigen und ihren Widerſtand für immer brechen zu können hoffte. In dieſer Vorausſetzung wurde er durch einen für ihn überaus günſtigen Umſtand, deſſen Eintreten er ſchon ſeit Jahren in der Stille er ſehnt und nach Kräften vorbereitet hatte, beſtärkt: unter den pro⸗ teſtantiſchen Reichsſtänden ſelbſt herrſchte die Einmüthigkeit nicht mehr, die zur ſiegreichen Ueberwindung der drohenden Gefahren nothwendig erſchien, und es war dem Kaiſer gelungen, einzelne unter ihnen von der gemeinſamen Angelegenheit zu trennen. Der bedeutendſte unter denjenigen proteſtantiſchen Fürſten, die ſich zu Karl hinneigten, war Herzog Moritz von Sachſen, der Schwiegerſohn des Landgrafen. Er war 1541 ſeinem Vater, dem Herzog Heinrich, in der Regierung nachgefolgt. Obgleich ein An hänger der Reformation war er doch wegen ſeiner Streitigkeiten mit dem Kurfürſten Johann Friedrich, die beinahe ſchon im Jahre 1542 zu einem nur durch Philipp's Vermittelung verhüteten kriegeriſchen Zuſammenſtoß geführt hätten, dem ſchmalkaldiſchen Bunde abge⸗ neigt und weigerte ſich, die Stelle ſeines Vaters in demſelben einzunehmen. Für den Bund war es ſchon von großem Nachtheil, ſeine Kraft und Entſchloſſenheit entbehren zu müſſen; aber ein noch weit empfindlicherer Schlag für ihn war das freundſchaftliche Ver hältniß, in welches Moritz mit König Ferdinand trat, dem er 1542 perſönlich und in hervorragender Weiſe gegen die Türken Hülfe leiſtete, ſowie er auch den Kaiſer 1544 auf ſeinem Zuge nach Frankreich begleitete und ihm in der freundſchaftlichſten Weiſe näher trat. Es wird vielfach vermuthet, daß er ſich hier ſchon in die Verabredungen einließ, die ſpäter den Proteſtanten ſo ver derblich wurden, doch ſprechen ſeine eigenen Erklärungen im Jahr