Aufsatz 
Philipp der Großmüthige, Landgraf von Hessen, als Regent und Reichsfürst / geschildert von E. Schaumann
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er für die Machtentfaltung des Reiches gegen die Türken ſprach und die den Biſchof von Augsburg zu der Aeußerung hinriß, Philipp ſei vom heiligen Geiſte beſeelt, hatte, wie man glaubt, ſelbſt den Kaiſer ergriffen, und in vertraulichem Zwiegeſpräche bat ihn dieſer ſogar, im nächſten Türkenkriege die Stelle des Oberfeldherrn anzunehmen, umging aber demungeachtet auch hier wieder die reichsgeſetzliche Erledigung des Religionsſtreites. Vier Wochen vor dem Schluſſe des Reichstags machte der Landgraf den letzten Verſuch. Er begab ſich zum Kaiſer: auf ſeinen Wunſch, ihm zu gefallen, ſei er gekommen; nach Verlauf eines Vierteljahres erfordere die Verwaltung ſeines Landes dringend ſeine Rückkehr; er bitte um baldige Entſcheidung. Der Kaiſer ſuchte ihn noch länger zu halten, Philipp blieb auch noch acht Tage, dann verließ er Speier, von wo ihm der römiſche König Ferdinand und deſſen Söhne Maximilian und Ferdinand das Geleit gaben, und hatte den Schmerz, daß abermals nur Karl für ſich allein den Proteſtanten den bisherigen Friedensſtand be⸗ ſtätigte. Dennoch unterſtützten dieſelben den Kaiſer auf ſeinem neuen Feldzug nach Frankreich mit aller Macht. Vorſichtig und für den Unterhalt des Heeres väterlich beſorgt drang er in das feindliche Land ein, und während von der anderen Seite König Heinrich von England die Franzoſen bedrängte, rückte das kaiſer liche Heer unaufhaltſam bis Chateau Thierry, ſchon zitterte Paris vor dem ſiegreichen Feinde: da wurde plötzlich der Friede von Creſpy am 14. September geſchloſſen. Allerdings war er günſtig für den Kaiſer, aber doch entſprach er den im Felde er rungenen Vortheilen nicht, und namentlich regte ſich unter den Proteſtanten, deren Hülfe hauptſächlich Frankreich's Mißgeſchick zuzuſchreiben war, wieder große Beſorgniß, als man die in dem Friedensvertrag vom franzöſiſchen König übernommene Verpflich⸗ tung vernahm, den Kaiſer nicht allein gegen die Türken, ſondern auch in Sachen des Glaubens zu unterſtützen.

Karl ſuchte freilich Anfangs das entſtandene Mißtrauen zu beſchwichtigen, indem er von den Religionsſtreitigkeiten ſchwieg und nur zu allgemeiner Hülfe gegen die Türken aufforderte, doch drängte ihn bald die Wahrnehmung, daß ſich die Reformation in Deutſchland, ſeinen bisherigen halben Maßregeln gegenüber, immer weiter ausbreite, und daß ohne gewaltſame Unterdrückung ihr Sieg gewiß ſei, zu einem entſcheidenden Schritt. Er berief daher 1545 einen Reichstag nach Worms, auf welchem er im Mai perſönlich erſchien, die Sache aber bei ſeiner großen Abneigung gegen jedes übereilte oder leidenſchaftliche Vorgehen doch nicht zum Abſchluß brachte. Sein Verlangen, daß die Pro⸗ teſtanten das vom Papſt ausgeſchriebene Concil anerkennen ſollten, wieſen jene zurück, aber in Sachen des Herzogs Heinrich