Aufsatz 
Philipp der Großmüthige, Landgraf von Hessen, als Regent und Reichsfürst / geschildert von E. Schaumann
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die Stadt ein.We de Gaul, ſo de Mann, meinte der Kaiſer in ſeinem gebrochenen Niederdeutſch. Am 5. April wurde der Reichstag eröffnet. Während der Dauer deſſelben bezeigte ſich der Kaiſer, der bei der unlengbar feindſeligen Stimmung Frank reich's und der Türkei ſeine Geſinnungen noch immer zu verhüllen für klug hielt, ausnehmend huldvoll gegen den Landgrafen, mit dem er oft perſönlich in der wohlwollendſten Weiſe verhandelte, und der hier endlich die bisher vergeblich erbetenen Privilegien für die Univerſität Marburg und überdieß die Verſicherung des Kaiſers erhielt, daß er ihm Amneſtie wegen aller früheren Unter⸗ nehmungen, auch wenn ſie gegen das Haus Oeſterreich ſelbſt ge gangen wären, ertheile und ſich niemals(auch nicht in Angelegen heiten der Religion) gegen ihn anreizen laſſen wolle. Auch der Reichsabſchied vom 29. Juli 1541, wiewohl er abermals den Frieden durchaus nicht vollſtändig ſicherte, war in Betracht der Umſtände für die Proteſtanten befriedigend, indem er den Nürn⸗ berger Frieden vom Jahr 1532 beſtätigte und der Kaiſer eine (ſpäter als Grundlage des Religionsfriedens vom Jahr 1555 benutzte) Erklärung erließ, durch welche der Augsburger Reichs⸗ abſchied in Sachen der Religion eingeſtellt, eine unparteiiſche Viſitation des Reichskammergerichts zugeſichert, die Proteſtanten zur Reform ihrer Stifter ermächtigt und im ungeſtörten Beſitz der geiſtlichen Renten, Zinſen und Gülten belaſſen wurden. Der Kaiſer brachte der Erhaltung der Ruͤhe in Deutſchland dieſes Opfer, weil ſein Bruder auf's Neue von Suleiman bedroht war und er ſelbſt ſeinen berühmten Feldzug gegen Algier, den Haupt⸗ ſitz der Seeräuber, bereits beſchloſſen hatte. Nach dem unglück⸗ lichen Ausgange deſſelben im November 1541 begab er ſich nach Spanien und wurde im folgenden Jahre durch einen neuen Krieg gegen Franz I. in Anſpruch genommen.

Leider war unterdeſſen der gehäſſige Streit mit Herzog Hein⸗ rich von Braunſchweig durch gegenſeitige Verunglimpfungen und Schmähſchriften unaufhörlich fortgeſetzt worden und ſchon auf dem Reichstage von Regensburg zu einer faſt unglaublichen Erbitterung gediehen. Zum Uebergang von drohenden Worten zur That bedurfte es nur einer geeigneten Veranlaſſung. Dieſe fand ſich, als Heinrich im Jahre 1542 die Städte Braunſchweig und Goslar hart bedrängte und beide die Hülfe des ſchmalkal diſchen Bundes anriefen. Nach einer Verabredung des Land⸗ grafen mit dem Kurfürſten von Sachſen zu Eiſenach wurde dem Herzog ihr Fehdebrief vom 13. Juli zugeſchickt und ein Heer von etwa 20000 Mann geſammelt. Während Philipp an der Weſer herauf über Beverungen, Höxter, Holzminden, Fürſtenberg heran⸗ zog, ging der Kurfürſt über den Harz. Beide vereinigten ſich bei Gandersheim und eroberten in wenigen Wochen das Land