Aufsatz 
Philipp der Großmüthige, Landgraf von Hessen, als Regent und Reichsfürst / geschildert von E. Schaumann
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nach langen Martern, auf dem Marktplatze von Münſter hin⸗ gerichtet. Im ganzen deutſchen Reiche wurde die Todesſtrafe über die Wiedertäufer verhängt, Philipp von Heſſen, der in ihnen der Mehrzahl nach nur bethörte und verführte Menſchen ſah, vermochte ſich jedoch, nachdem die Anführer für ihre Greuel⸗ thaten mit dem Leben gebüßt hatten, zur Anwendung dieſer äußer⸗ ſten Strenge nicht zu entſchließen.

Die lange Abweſenheit des Kaiſers aus Deutſchland benutzte auch der ſchmalkaldiſche Bund zu ſeiner Befeſtigung. Auf einer Verſammlung zu Schmalkalden im December 1535 ſchloſſen ſich die Bundesglieder enger an einander und thaten einen hochwichtigen Schritt, indem ſie dem daſelbſt erſchienenen franzöſiſchen Geſandten, der im Namen ſeines Königs eine Ver⸗ bindung mit ihnen ſuchte, den ihm ſehr mißfälligen Beſcheid er⸗ theilten, daß ſie darauf nur dann eingehen könnten, wenn die Verbindung gegen niemand gerichtet ſein ſolle, mit dem ſie wegen Lehen oder Huldigungspflichten verwandt wären, wodurch alſo namentlich jede Befehdung des Kaiſers ausgenommen war, gegen den Frankreich die Hülfe der deutſchen Proteſtanten hauptſächlich zu benutzen gedachte. Aber auch die weitere Ausbreitung und Stärkung des Bundes wurde nicht vergeſſen. Im April des folgenden Jahres wurden daher auf einem Convent zu Frankfurt am Main die Herzoge Ulrich von Württemberg, Barnim und Philipp von Pommern, die Fürſten Johann Georg und Joachim von Anhalt, die Städte Augsburg, Kempten, Hamburg, Han⸗ nover, Minden und Frankfurt in den Bund aufgenommen und derſelbe auf mehrere Jahre verlängert. Landgraf Philipp blieb die Seele des Bundes. Auf einer Verſammlung deſſelben, der auch Luther, Melanchthon, Oſiander und Bucer beiwohnten, erſchien am 15. Februar 1537 der kaiſerliche Vicekanzler Held zu Schmalkalden, aber ſeine Reden, in welchen ſich eine große Bitterkeit gegen die Proteſtanten kund gab, die im Gegentheil nach den dem Kur⸗ fürſten von Sachſen vom Könige Ferdinand noch kürzlich ertheilten friedlichen Verſicherungen nur freundlichen Eröffnungen von Seiten des Kaiſers entgegen geſehen hatten, brachten nicht den von ihm erwarteten Eindruck hervor. Die verſammelten Fürſten waren über ſein Auftreten zuerſt in hohem Grade betroffen, dann gaben ſie ihrer Entrüſtung Worte, und Held, der wahrſcheinlich die ihm ertheilten Befehle überſchritten hatte, da die Politik des Kaiſers Frankreich gegenüber damals das Mißtrauen der Prote⸗ ſtanten durchaus nicht ſteigern wollte, hielt es deßhalb für zeit gemäß, einen katholiſchen Gegenbund zu Stande zu bringen. Wirklich ſchloſſen auch die Erzbiſchöfe von Mainz und Salzburg, die Herzoge von Bayern, Herzog Georg von Sachſen und Herzog Heinrich der Jüngere von Branſchweig am 10. Juni 1538 zu