Aufsatz 
Philipp der Großmüthige, Landgraf von Hessen, als Regent und Reichsfürst / geschildert von E. Schaumann
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weg mit den Kindern Eſau's, die Erbſchaft gehört den Kindern Jacob's! den Adel, die Geiſtlichkeit und alle wohlhabenden Bürger, die ſich ihnen nicht anſchließen wollten, aus der Stadt, bemächtigten ſich ihrer Habe und aller Gewalt in Münſter(dem neuen Zion), Jan von Leiden wurde zum Könige von Zion ge krönt und übte die ihm verliehene ſchrankenloſe Gewalt in einer alles menſchliche Gefühl und alle Sittlichkeit verhöhnenden Weiſe aus. Knipperdolling wurde mit der Rechtsvollſtreckung begnadigt. Dieſes Amt verlieh ihm die unbeſchränkte Gewalt über Leben und Tod aller derjenigen, die er als Uebertreter der neuen Geſetze erkannt hatte; ohne Gericht, ohne Urtheil das Böſe auszurotten, war ſein Auftrag. Um dieſem unſinnnigen Treiben, das eine un glaubliche Menge von Schwärmern nach Münſter geführt hatte, ein Ziel zu ſetzen, traten nicht allein Luther und Melanchthon mit ernſt mahnenden Schriften auf, ſondern der Biſchof von Münſter, Franz von Waldeck, ſammelte auch ein Heer. Beides blieb ohne Wirkung, denn weder gaben die Wiedertäufer der Stimme vernünftiger Widerlegung Gehör, noch vermochte ihnen der Biſchof die Stadt mit Gewalt zu entreißen. Zwar entſchloß er ſich, nachdem ſogar eine Friesländerin als neue Judith, jedoch ohne bis zu ihm zu gelangen, ausgeſendet worden war, am 30. Auguſt 1534 die Stadt zu ſtürmen, aber der Sturm ward ab⸗ geſchlagen, und die ſtrenge Belagerung mußte aufgehoben werden. Dieſer große Erfolg erhöhte den Muth der Wiedertäufer und regte ihre Anhänger in Preußen, Mähren, Sachſen, Anhalt, Württem⸗ berg, am Rhein dc. zu neuer Erhebung an. Ernſte Maßregeln erſchienen dringend nothwendig, aber erſt nach Beendigung des württembergiſchen Feldzuges waren ſie ausführbar. Im Decem ber 1534 wurde auf einer Verſammluug in Coblenz beſchloſſen, 3000 Mann zur Belagerung von Münſter abzuſenden, und dieſe Vereinbarung im April 1535 in Worms genehmigt. Landgraf Philipp, der ſich im Frieden von Kadan zur Unterſtützung der gegen Münſter gerichteten Unternehmungen verpflichtet hatte, drang mit Ernſt und Nachdruck auf die Vollziehung des Beſchluſſes und die Herſtellung der ſo lange geſtörten Ordnung. Doch verſuchte er vorher noch die Güte. Er ſchrieb an die Verirrten und zeigte ihnen aus der Schrift, wie unchriſtlich und verwerflich ihr Be ginnen ſei. Aber bei den verſtockten Schwärmern fanden ſeine Worte keinen Eingang, und er ſchickte daher im April 1535 Sieg⸗ mund von Boyneburg mit heſſiſchen Kriegsvölkern vor Münſter. Im Verein mit den übrigen Reichstruppen ſchloſſen ſie die Stadt ein und eroberten ſie nach verzweifelter Gegenwehr am 24. Juni. In Menge kamen die Wiedertäufer bei dem wüthenden Kampf in den Straßen der Stadt ums Leben; die Gefangenen, unter

ihnen Jan von Leiden und Knipperdolling, wurden, zum Theil