Aufsatz 
Philipp der Großmüthige, Landgraf von Hessen, als Regent und Reichsfürst / geschildert von E. Schaumann
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als Empörung, nicht als Kampf gegen den Kaiſer dürfe ſein Unternehmen betrachtet werden, ſondern als eine von der Ehre gebotene Wiederherſtellung gekränkter Rechte. Zur Gewalt zu ſchreiten, ſei ſeine Abſicht nicht geweſen, da aber alle Bitten und Vorſtellungen nichts gefruchtet, fuͤhle er ſich gedrungen, weit über ſein urſpruͤngliches Vorhaben hinauszuſchreiten. Dieſe Erklärung ſandten beide Fürſten an den Kaiſer nach Spanien, an den König Ferdinand nach Prag, an alle Reichsſtände, an die Königin Maria, Statthalterin der Niederlande, und ließen ſie gedruckt in ganz Württemberg verbreiten. König Ferdinand erklärte ſich zwar zu gütlicher Ausgleichung der Sache bereit, allein der gerechte Zwei fel, welchen der Landgraf in die Aufrichtigkeit dieſes Anerbietens ſetzte, ließ ihn erwiedern, daß er erſt dann zum Vergleiche bereit ſei, wenn er den Herzog Ulrich wieder im Beſitze ſeines Landes ſehe. Unterdeſſen verbreiteten ſich die abenteuerlichſten Gerüchte über die eigentliche Abſicht des Unternehmens. Der Landgraf, ſagten Einige, ziehe nach Frankfurt, um des franzöſiſchen Königs Sohn zum römiſchen Könige zu erheben; Andere meinten, Phi lipp wolle ſich ſelbſt zum römiſchen Könige aufwerfen und die katholiſchen Reichsſtände mit Krieg überziehen; ja manche glaubten, er wolle nach erfochtenem Siege in Italien eindringen, um die Herrſchaft des Papſtes zu ſtürzen, und wiewohl König Franz von Frankreich ſelbſt den Papſt von der Grundloſigkeit dieſer Nach⸗ richten in Kenntniß ſetzte, ſo fanden ſie doch an vielen Orten Eingang, und mit der größten Spannung und Beſorgniß ſah man der Entwickelung der Sache entgegen. Dieſe ließ nicht lange auf ſich warten. Mit ſeinem Schützlinge rückte der Landgraf von Caſſel über Felsberg, Marburg, Gießen, Butzbach, Nieder-Eſch⸗ bach an den Main, überſchritt ihn zwiſchen Frankfurt und Gries⸗ heim und zog nach einem Raſttage in Schwanheim nach Pfung⸗ ſtadt, wo er am 3. Mai Muſterung über ſein Volk hielt. Von da zog er weiter durch den Odenwald, über Fürſtenau, Michel⸗ ſtadt und Erbach, an den Neckar, den er bei Neckarſulm mit etwa 20000 Landsknechten und 4000 Reiſigen erreichte. In⸗ zwiſchen hatte Pfalzgraf Philipp der Streitbare, der 1529 die Vertheidigung Wien's gegen die Türken mit großer Tapferkeit und Umſicht geleitet hatte und vom Kaiſer zum Statthalter Fer⸗ dinand's in Württemberg ernannt worden war, etwa 12000 Mann zu Fuß und 800 zu Pferd zuſammengebracht. Da er vermuthete, der Landgraf werde bei Maulbronn eindringen, hatte er in dieſer Gegend große Vertheidigungsanſtalten getroffen und ſich bei Vai⸗ hingen an der Enz vortheilhaft aufgeſtellt, nun aber zog er, dem Landgrafen die Spitze zu bieten, in die Gegend von Heilbronn und Laufen. Beide Heere trennte der Neckar. Sofort ging der Landgraf, welcher die zum Ueberſchreiten der Flüſſe nöthigen