Aufsatz 
Philipp der Großmüthige, Landgraf von Hessen, als Regent und Reichsfürst / geschildert von E. Schaumann
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Ausnahme unterzeichnet hatten. Zunächſt erlangte der Kaiſer durch dieſen Frieden die Hülfe des deutſchen Reiches gegen Sulei man, der am 20. Juli mit ſeinem Heere auf zwölf Schiffbrücken bei Eſſek über die Drau gegangen war und durch Ungarn, wo er wie in ſeinem Eigenthum ſchaltete, heranzog. Einmüthig regten ſich die Deutſchen. Ueberall wurde geworben und gerüſtet; auch aus Spanien, aus Italien, aus den Niederlanden kam Hülfe, und als Karl V. in der Nähe von Wien ſein Heer muſterte, fand er 80000 Mann Kerntruppen verſammelt. Ein Angriff auf dieſes Heer ſchien den Türken keinen ſicheren Erfolg zu verſprechen; ohne eine entſcheidende Schlacht zu wagen, wandte ſich der Sultan nach einem verheerenden Raubzuge durch Ungarn nach Steiermark, kehrte von da nach Conſtantinopel zurück und ſchloß am 23. Juli 1533 mit Ferdinand Frieden. Aber dennoch ſcheute ſich der Kaiſer, etwas gegen den ſchmalkaldiſchen Bund zu unternehmen, indem er ſich nach vorläufiger Abwendung der durch die Türken drohenden Gefahr wieder nach Italien begeben mußte, wo ein neuer Angriff des Königs Franz I. von Frankreich bevorſtand.

Während ſeiner langen Abweſenheit unternahm der Landgraf die Wiedereinſetzung des aus ſeinem Lande vertriebenen Herzogs von Württemberg. Ulrichvon Württemberg, ſchon in ſeinem 16. Lebensjahre von dem Kaiſer Manximilian II. für volljährig erklärt, hatte 1503 den Thron beſtiegen. Leider verſcherzte er ſich im Laufe der Jahre durch ſein überaus unbeſonnenes und ge waltthätiges Verfahren, durch ſeine Verſchwendung und Prachtliebe, die das Land in ſchwere Schulden ſtürzte, durch ſeine offenkun⸗ digen Zerwürfniſſe mit ſeiner Gemahlin Sabina das Wohlwollen des Kaiſers, die Liebe ſeiner Schwäger, der Herzoge von Bayern, und die Anhänglichkeit ſeines Volkes, und als alle Verſuche, ſich friedlich mit ihm zu vertragen, fehlgeſchlagen waren, und er an⸗ derem Unrecht 1519 noch die Belagerung und Wegnahme der Reichsſtadt Reutlingen hinzufügte, ergriff der ſchwäbiſche Bund, dem ſie angehörte, unter der Anführung Wilhelm's von Bayern die Waffen und zwang den Herzog, im Mai 1519 aus ſeinem Lande zu entfliehen. Nach einem mißglückten Verſuche, ſich des⸗ ſelben im Herbſte jenes Jahres wieder zu bemeiſtern, wurde 1520 dem Verlangen des Kaiſers gemäß das Herzogthum von dem ſchwäbiſchen Bunde gegen Erſtattung der Kriegskoſten dem Erz⸗ herzog Ferdinand, Karl's Bruder, überlaſſen. Ulrich's fünfjähriger Sohn Chriſtoph wurde nach Innsbruck gebracht, um unter Ferdi nand's Obhut erzogen zu werden, und während der unſchuldige Knabe hier mit harter Behandlung und Mangel zu kämpfen hatte, irrte der Herzog ſelbſt dürftig und ſchutzlos umher. Der Land graf Philipp, ſein Vetter, dem ſein Schickſal zu Herzen ging, nahm ihn daher nicht allein, trotz vielfacher Abmahnungen, gaſtlich auf

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