Aufsatz 
Philipp der Großmüthige, Landgraf von Hessen, als Regent und Reichsfürst / geschildert von E. Schaumann
Einzelbild herunterladen

18

In wiederholten und dringenden Schreiben bat deßhalb Ferdinand 1531 ſeinen Bruder, alle erdenklichen Vorbereitungen zu dem nahen Kampfe zu treffen, und wies namentlich darauf hin, daß der Spaltung Deutſchland's Einhalt gethan und das Mißtrauen der evangeliſchen Reichsſtände beſeitigt werden müſſe. Er machte mit Recht darauf aufmerkſam, daß die Proteſtanten, obgleich ſie ſich wohl der Einſicht nicht verſchließen koͤnnten, wie ſchwere Ge fahren nach der Eroberung Ungarn's auch dem deutſchen Reiche drohten, dennoch mit ihrer Hülfe zurückhaltend ſein würden, weil ſie nicht wiſſen könnten, ob nicht der Kaiſer nach der Ueberwin⸗ dung des Sultans ſeine ſiegreichen Waffen gegen die Anhänger Luther's kehren werde. Er rieth daher dringend, auf einem Reichs⸗ tage ein friedliches Abkommen mit ihnen zu treffen, und ſprach die Ueberzeugung aus, ſie würden mit Freuden bereit ſein, gegen die Türken das Schwert zu ziehen, wenn ſie ſich in Betreff ihrer eitlen Glaubensanſichten beruhigt fühlten(estando assecurados dello que toca a sus vanas creencias). Dem Kaiſer entging die Bedeutung der Gründe nicht, die ſein Bruder zu ſeiner Kennt niß brachte. Er berief deßhalb zu Anfang des Jahres 1532 einen Reichstag nach Regensburg, und kaum hatte derſelbe am 17. April ſeine Arbeiten begonnen, als auch Suleiman ſchon an der Spitze von 200000 Mann von Conſtantinopel aufbrach(26. April 1532). Noch einmal verſuchte Ferdinand, den furchtbaren Feind durch Nachgeben zu beſänftigen, allein auch die neue Ge ſandtſchaft, obgleich ſie zu Abtretungen und Zahlungen ermächtigt war, wurde wit Hohn zurückgewieſen. Suleiman drohte ſogar, mit ſeinem Heer in Regensburg zu erſcheinen. Da entſchloß ſich der Kaiſer, den ſelbſt katholiſche Stände deßhalb beſtürmten, vor Allem den inneren Frieden zu ſichern, und genehmigte nach langen unerquicklichen Verhandlungen mit den Proteſtanten, welche von der beruhigenden Geſtaltung ihrer Sache die Hülfe im Türken kriege abhängig machten, am 23. Juli 1532 den zu Nürnberg geſchloſſenen Vergleich, kraft deſſen bis zur Entſcheidung eines allgemeinen Concils oder eines den Streit ſchlichtenden Reichs- tagsſchluſſes Friede zwiſchen dem Kaiſer und den Proteſtanten ſein und nichts mit Gewalt gegen dieſelben unternommen, auch alle den Glauben berührenden Proeeſſe eingeſtellt werden ſollten. Die Proteſtanten verpflichteten ſich dagegen, dem Kaiſer ſonſt ge horſam zu ſein und namentlich die geforderte Türkenhülfe zu leiſten. Der Landgraf, der hier wieder ſeine Ueberlegenheit und ſeinen ſtaatsmänniſchen Blick bewährte, zögerte Anfangs, dieſem interi⸗ miſtiſchen Religionsfrieden beizutreten, weil er ſich auf künftige Beſchlüſſe ſtelle und zu jeder Zeit, wenn es dem Kaiſer gerade gelegen ſei, gekündigt werden könne, doch fügte er ſich endlich am 13. Auguſt den Wünſchen ſeiner Verbündeten, die alle ohne