Aufsatz 
Philipp der Großmüthige, Landgraf von Hessen, als Regent und Reichsfürst / geschildert von E. Schaumann
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kräftige Unterſtützung, Heinrich VIII. von England ſchloß ſich vorläufig von jeder Mitwirkung aus, in Deutſchland aber zeigte ſich ſelbſt Bayern, ſonſt der evangeliſchen Lehre abhold, den Uebergriffen des Kaiſers entgegenzutreten bereit. Während dieſer Verhandlungen ſchloſſen die Proteſtanten auf einer zweiten Verſammlung zu Schmal⸗ kalden am 27. Februar 1531 das unter dem Namen des ſchmal⸗ kaldiſchen Bundes bekanntechriſtliche und freundliche Verſtänd⸗ niß zum Schutz aller gegenwärtigen und künftig noch hinzutretenden Anhänger des Evangeliumseinſtweilen auf ſechs Jahre und regelten den Bund auf den erſten Conventen, namentlich zu Frankfurt a. M. im Juni und December deſſelben Jahres. Der Kurfürſt von Sachſen und der Landgraf von Heſſen wurden vorläufig zu Oberhauptleuten ernannt, jener für den ſächſiſchen oder norddeut⸗ ſchen, dieſer für den oberländiſchen oder ſüddeutſchen Kreis.

Da trat plötzlich wieder eine friedliche Wendung ein, denn abermals ſah ſich der Kaiſer in ſeinem feſten Entſchluſſe, zur Ge⸗ walt zu ſchreiten, gehemmt. Von Oſten her drohte ſeinem Bru⸗ der und den Erbländern ſeines Hauſes eine Gefahr, die er ohne die Hülfe des Reiches nicht beſtehen zu können glaubte. In der Türkei war nämlich ſchon im October 1520 Suleiman oder Soliman II. ſeinem Vater Selim I. gefolgt. Sofort zog er, um den unruhigen Janitſcharen Beſchäftigung und Beute zu ver ſchaffen, aber auch dem eigenen Hange folgend, auf Eroberungen aus, und bedrohte zuerſt Ungarn, wo er ſich nach zwanzig Stür men am 29. Auguſt 1521 der Burg von Belgrad bemächtigte und die tapfere, aber zuletzt durch Verrath zur Uebergabe gezwungene Beſatzung der Capitulation zum Trotze niederhauen ließ. Im folgenden Jahre belagerte er Rhodus, den Sitz der tapferen Johan⸗ niter⸗Ritter, die ſich fünf Monate lang gegen den ſo ſehr über legenen Feind hielten, endlich aber am 25. December 1522 unter⸗ werfen mußten, zog dann in die Krimm und nach Aegypten und erhob ſich am 23. April 1526 mit 100000 Mann und 300 Kanonen abermals gegen Ungarn. Schon lange konnte man hier ſeine Wiederkehr vorausſehen, allein in dem Zuſtande der Anar chie, welche damals Ungarn's Wohlfahrt auf lange Zeit unter⸗ grub, ſtrebte jeder nur danach, des Königs Gewalt zu unterwühlen und das eigene Anſehen und die eigenen Beſitzthümer zu ſteigern, ſich ſelbſt und die eigene Familie zu heben: an eine wahrhaft patriotiſche, gemeinſame, aufopfernde Rüſtung gegen den Feind wollte niemand denken. Eine Stadt nach der anderen fiel in die Hände des ſiegreichen Sultans, und als endlich ein ungariſches Heer verſammelt war, zeigte ſich noch in der letzten Stunde die Zerfahrenheit der Zuſtände. Bei Mohacz ſtanden 25000 Mann mit 80 Kanonen dem weit überlegenen türkiſchen Heer, das über⸗ dieß eine höchſt vortheilhafte Stellung einnahm, gegenüber. Wider