Aufsatz 
Philipp der Großmüthige, Landgraf von Hessen, als Regent und Reichsfürst / geschildert von E. Schaumann
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Frankreich's zweideutig, die Vereinigung der Kräfte des Reichs gegen die Türken, die im verfloſſenen Jahre bis nach Wien vor⸗ gedrungen waren, wünſchenswerth. Dieſe Betrachtung bewog ihn, die Entſcheidung abermals der Zukunft vorzubehalten. Der Reichs⸗ tagsabſchied vom 22. September 1530 gewährte deßhalb den Pro⸗ teſtanten, denen jedoch inzwiſchen alle Neuerungen unterſagt wur⸗ den, eine weitere Bedenkzeit bis zum 15. April 1531 und ſtellte ein allgemeines Concil in Ausſicht. Die proteſtantiſchen Stände verhehlten ſich nicht, daß dieſer Beſchluß die ihnen drohenden Ge fahren nur auf kurze Zeit hinausſchob, und da überdieß der Kaiſer mit der Erhebung Ferdinand's zum römiſchen König nun offener hervortrat, ſo fand vom 22. bis 31. December 1530 eine Zuſammenkunft des Landgrafen mit dem Kurfürſten von Sachſen und anderen proteſtantiſchen Ständen zu Schmalkalden, am Fuße des Thüringer Waldes in einem Thale unweit der Werra, ſtatt. Erſchienen waren, außer den ſchon genannten Fürſten, Herzog Ernſt von Lüneburg, Fürſt Wolfgang von Anhalt, die Grafen Gebhard und Albrecht von Mansfeld, die Abgeordneten des Markgrafen Georg von Brandenburg und der Städte Nürn⸗ berg, Reutlingen, Kempten, Heilbronn, Windsheim, Weißenburg, Straßburg, Coſtnitz, Lindau, Memmingen, Ulm, Biberach. Hier wurden gemeinſame Maßregeln zur Abwendung aller Gefahren beſchloſſen, namentlich eine kräftige Vorſtellung an den Kaiſer, für den Fall gewaltſamen Vorſchreitens aber gegenſeitige Hülfe⸗ leiſtung und Vertheidigung. Zugleich ſollte gegen Ferdinand's Erhebung ehrerbietiger Einſpruch erhoben werden. Der letztere blieb fruchtlos, denn Karl V. ließ, Sachſens Widerſpruch nicht achtend, ſeinen Bruder durch die dafür mit Gnadenerweiſungen überhäuften Kurfürſten von Cöln, Trier, Mainz, Pfalz und Bran⸗ denburg am 5. Januar 1531 in Cöln wählen und ſchon am 11. deſſelben Monats in Aachen zum römiſchen Könige krönen. Aber auch ſonſt wurden die proteſtantiſchen Abgeordneten von dem Kaiſer, der nach Brüſſel ging und ſeine Schweſter Maria, ver⸗ witwete Königin von Ungarn, als Statthalterin der Niederlande einſetzte und zugleich große Werbungen vornahm, ohne beſtimmte Antwort entlaſſen. Dadurch mehrten ſich die Beſorgniſſe der pro⸗ teſtantiſchen Stände; ſie bemühten ſich, in und außer Deutſchland ihr Verfahren zu rechtfertigen, und ſandten an die deutſchen Für⸗ ſten, ſowie an die Könige von Frankreich, England und Dänemark Abgeordnete mit Denkſchriften, in welchen ſie, unter ausführlicher Vertheidigung ihrer Handlungen, die hin und wieder lautgewordene Verleumdung, als ob ſie ſich in Glaubensſachen von Habſucht und Begierde nach den Kirchengütern leiten ließen, und als ob ihre Lehre den Gehorſam gegen die Obrigkeit ſchwäche, ſiegreich widerlegten. Franz I. von Frankreich und Friedrich von Dänemark verſprachen