Aufsatz 
Philipp der Großmüthige, Landgraf von Hessen, als Regent und Reichsfürst / geschildert von E. Schaumann
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Abſchrift zu dem Kurfürſten, und beide kamen, Angeſichts dieſer drohenden Lage, am 9. März überein, ſofort zu rüſten, den ent⸗ larvten Feinden zuvorzukommen und einen aufrichtigen Frieden zu erzwingen. Albrecht von Brandenburg, Friedrich von Däne⸗ mark, die Städte Magdeburg und Ulm verſprachen Hülfe, und der feurige Jugendmuth des Landgrafen würde es ſchon damals zu blutiger Entſcheidung gebracht haben, wenn nicht Luther und Melanchthon den Kurfürſten von Sachſen umgeſtimmt und vor Allem die Güte zu verſuchen gerathen hätten.Krieg gewinne wenig, verliere viel und wage Alles; Sanftmuth verliere nichts, wage wenig und gewinne Alles, war ihre Meinung. Freilich hielt der Landgraf den Zeitverluſt für gefährlich;Gott, ſagte er,helfe wohl, aber nicht den Sorgloſen. Es ward daher zwar die Fortſetzung der Rüſtungen beſchloſſen, vor dem Ausbruch der Feindſeligkeiten ſolle aber erſt bei den an dem Breslauer Bünd⸗ niſſe betheiligten Fürſten angefragt werden. Deßhalb erließ Philipp aus ſeinem Lager bei Herrenbreitungen an der Werra, wo er mit 18000 Mann bereit ſtand, eine Erklärung an die Stände des Reiches, worin er ſein Vorgehen rechtfertigte. Aber zum Kampfe kam es nicht. Die Sache nahm vielmehr einen ganz unerwar⸗ teten Verlauf, indem von Allen das Bündniß, das nur ein ehr⸗ loſer und meineidiger Böſewicht könne erſonnen haben, feierlich in Abrede geſtellt und durch die perſönliche Vermittelung der Kur⸗ fürſten von der Pfalz und von Trier, welche nebſt dem Kurfürſten von Sachſen bei Philipp in Schmalkalden erſchienen waren, der Krieg verhütet wurde. Pack beſtand zwar auf der Wahrheit ſeiner Aus ſage, die betreffenden Fürſten aber verlangten die Auslieferung des Betrügers, um ihn auf der Folter zum Bekenntniß der Wahr⸗ heit zu bringen. Dazu war jedoch der Landgraf nicht zu bewegen, und erſt 1536 fand Pack, der ſich in die Niederlande begeben hatte, daſelbſt ſeinen Tod, wie man ſagt, von der Rache des in ſeiner Verfolgung unermüdlichen Herzogs Georg ereilt. Vor ſeiner Hinrichtung ſoll er im Schloß zu Vilvorden ſeinen Betrug bekannt haben. Wenn auch dieſes Geſtändniß, das ihm auf der Folter entriſſen wurde, an und für ſich nur geringe Bedeutung haben kann, ſo ſpricht doch gegen Pack, der auch ſonſtiger Fälſchungen verdächtig iſt, hauptſächlich der Umſtand, daß er ſich für das Ge⸗ heimniß 4000 Gulden hatte zahlen laſſen. Ganz unwahrſchein⸗ lich war allerdings die Sache nicht, und das war es auch, was den Landgrafen zu einem ſo raſchen Handeln beſtimmte, das bei⸗ nahe Deutſchland in einen inneren Krieg geſtürzt hätte.Wäre es nicht geſchehen, äußerte er ſpäter,jetzt würde es nicht ge⸗ ſchehen. Wir wiſſen keinen Handel, den wir unſer Leben lang begangen, der uns mehr mißfiele.

Bald nach Herſtellung der friedlichen Stimmung berief der