Aufsatz 
Philipp der Großmüthige, Landgraf von Hessen, als Regent und Reichsfürst / geschildert von E. Schaumann
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ſeitig,da ſie in Erfahrung gebracht hätten, daß ihre Feinde Bündniſſe ſchlöſſen und viel Geld zuſammenbrächten, um diejenigen, welche Gottes Wort in ihren Ländern zu predigen geſtatteten, mit Krieg zu überziehen, ihre eigenen Unterthanen vor unbilligem Kriege zu ſchützen und einander nach allem Vermögen beizuſtehen, im Fall daß wider die Religion und die ihr anhängige Sache öffentlich oder unter einem anderen Schein ein Angriff geſchehen würde. Dem Bunde traten am 12. Juni zu Magdeburg die Herzoge Philipp von Braunſchweig⸗Grubenhagen, Otto, Ernſt und Franz von Lüneburg, Heinrich von Mecklenburg, Fürſt Wolfgang von Anhalt, die Grafen Gebhard und Albrecht von Mansfeld und die Stadt Magdeburg bei, und ihrer Haltung auf dem vom Kaiſer wegen ſeiner auswärtigen Verwickelungen nicht perſönlich beſuchten, ſondern an ſeiner Statt von ſeinem Bruder Ferdinand geleiteten Reichstage zu Speier, der am 25. Juni begann und während deſſen der Landgraf die Biſchöfe oft durch ſein theo⸗ logiſches Wiſſen und ſeine ausgebreitete Kenntniß der beweiſenden Stellen in großes Erſtaunen ſetzte, verdankten ſie den über Er⸗ warten günſtigen Reichstagsabſchied vom 27. Auguſt, nach welchem bis zu der allgemeinen oder nationalen Kirchenverſammlung, um die man bitte, jeder Stand in Sachen, welche die Religion be treffen, ſo leben, regieren und es halten ſolle, wie er es gegen Gott und kaiſerliche Majeſtät zu verantworten ſich getraue. Nach ſeiner Rückkehr von Speier berief Philipp die geiſtlichen und weltlichen Stände des Landes zu einem Religionsgeſpräch nach Homberg, um hier wegen der nöthig befundenen Reform und zur Herſtellung chriſtlicher Eintracht freimüthige Berathung zu pflegen und die erforderlichen Beſchlüſſe zu faſſen. In der Hauptkirche zu Homberg verſammelten ſich daher am 21. Oc⸗ tober 1526 um ihren Landesfürſten die Prälaten, Aebte und andere Geiſtliche nebſt den Grafen, Rittern und den Abgeord⸗ neten der Städte. Der Theologe Lambert von Avignon, der Hofprediger Adam Krafft und der Kanzler Johann Feige ſprachen im Auftrage und im Geiſte des Landgrafen; Nicolaus Ferber, Guardian der Franziskaner zu Marburg, verdammte da⸗ gegen die von Lambert beantragten Neuerungen als unkirchlich und unchriſtlich. Auf ſeine Seite trat Johannes Sperber, Pre⸗ diger in der Waldau bei Caſſel, aber beide fanden in der großen Verſammlung weiter keinen Anklang, und in der letzten Sitzung wurde ein Ausſchuß erwählt, um nach den Beſchlüſſen der Synode die neue Kirchenordnung aufzuſtellen, zu deren Einführung der Land⸗ graf, vom Beifall ſeines Volkes getragen, mitzuwirken bereit war. Zugleich ſuchte er, tief ergriffen von der großartigen Bewegung im Reich der Wiſſenſchaften, die ſich im 15. Jahrhundert in Ita⸗ lien erhoben und ſich von da nach Deutſchland verbreitet hatte,