Aufsatz 
Philipp der Großmüthige, Landgraf von Hessen, als Regent und Reichsfürst / geschildert von E. Schaumann
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Stand geſetzt, ſeinem von Münzer und Pfeiffer hart bedrängten Schwiegervater zu Hülfe zu eilen. Die Heſſen, welchen Herzog Heinrich von Braunſchweig noch 600 Landsknechte und 250 Rei⸗ ſige zugeführt hatte, zogen, 4800 Mann ſtark, vor Eiſenach und eroberten es, ſowie Langenſalza. Vor Frankenhauſen im Schwarzburgiſchen trafen ſie den Feind. Münzer hatte ſich hier mit 8000 Mann und ſeinem Geſchütz auf einer Anhöhe hinter einer Wagenburg gelagert. Die von den Fürſten eröffneten Unter⸗ handlungen blieben fruchtlos, und Münzer machte ſich zum Kampfe bereit(15. Mai). Beſſer ſei es, ſprach er, wie Melanchthon er⸗ zählt, zu den Seinigen, zehnmal zu ſterben, als dieſe gottloſe Obrigkeit zu dulden. Mit ihr Frieden zu ſchließen, ſei nutzlos. Gott wolle nicht, daß ſie ſich mit den Gottloſen vertrügen. Münd⸗ lich habe er ihm den Sieg verheißen; ehe ſie verlaſſen würden, müßten ſich Himmel und Erde verändern. Sie ſollten ſich uner ſchrocken zur Wehre ſtellen und das feindliche Geſchütz nicht fürch ten; er allein wolle alle Kugeln auffangen. Auf der anderen Seite ritt der Landgraf Philipp umher und ermahnte das Kriegs⸗ volk, den Feind, der jeden Vergleich von ſich gewieſen, ritterlich anzugreifen. Dieſer falſche Prophet und ſein Anhang gehe nur auf Raub und Mord aus. Darum greift ſie, ſprach er, getroſten Muthes an als Mörder und Friedensbrecher, allen frommen, recht⸗ ſchaffenen Menſchen und euch ſelbſt zum Beſten. Daran thut ihr Gottes Willen, denn obgleich wir menſchlicher Anſicht nach ſtark genug ſind, den Sieg zu erringen, dennoch wollte ich nicht angreifen, wenn ich nicht wüßte, daß ich recht thäte. Aber Gott hat mir das Schwert gegeben, dem Morde zu wehren, deßhalb will ich ſie ſtrafen mit Gottes Hülfe, der geboten hat: Wer der Obrigkeit widerſtrebt, der ſoll geſtraft werden! Der Kampf war bald entſchieden. Als die feindlichen Geſchütze Münzer's Verheißungen Lügen ſtraften, ergriff ſein Heer, von den Reiſigen des Landgrafen verfolgt, in Angſt und Entſetzen die Flucht. Die Mehrzahl wandte ſich nach Frankenhauſen, aber faſt zugleich mit ihnen drangen die Landgräflichen in die Stadt und hieben die Bewaffneten nieder. Sobald die Fürſten in die Stadt einritten, befahlen ſie, der Fliehenden zu ſchonen; nur auf den Kopf des Anführers, der ſich durch die Flucht gerettet, wurde ein Preiß ge⸗ ſetzt. Auf einer Bodenkammer in Frankenhauſen lag er in einem Bette verſteckt und gab ſich auf die Frage eines Reiſigen, der ihn hier fand, für einen Fieberkranken aus, der am Aufruhr ganz un⸗ betheiligt ſei. Eine Taſche mit Briefen vom Grafen von Mans⸗ feld, die am Bette lag, verrieth ihn. Er wurde als Gefangener vor den Landgrafen und den Herzog Georg geführt und ihm hier durch Erſteren aus der heiligen Schrift, auf die ſich Münzer immer zu berufen pflegte, die Verruchtheit ſeiner Greuelthaten