Aufsatz 
Philipp der Großmüthige, Landgraf von Hessen, als Regent und Reichsfürst / geschildert von E. Schaumann
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6. Juni die Ebernburg bei Creuznach, deren für unzerſtörbar ge⸗ haltene Mauern dem auf des Landgrafen Geheiß unternommenen fünftägigen Beſchießen nicht Stand hielten. Die beiden Kurfürſten theilten ſich in alle Beſitzungen Sickingen's auf dem linken Rhein⸗ ufer, Philipp erhielt Stadt und Schloß Kronberg. Beides gab er im Jahre 1540 den früheren Herren zurück und zwar, wie er am 16. Juni 1540 an Bucer ſchrieb,nach dem göttlichen Be⸗ fehl, daß wir dem Nächſten verzeihen und vergeben ſollen. Nach dieſem Vorgang entſchloſſen ſich 1542 auch die beiden Kurfürſten, den Bitten des Kaiſers und der Reichsſtände nachzugeben und Sickingen's Beſitzungen ſeinen Söhnen wieder zu überlaſſen.

Bald nach Sickingen's Untergang vermählte ſich Landgraf Philipp im October 1523 zu Dresden mit Chriſtina, der Tochter des Herzogs Georg von Sachſen, und führte ſeine junge Gemahlin unter großen Feſtlichkeiten heim. Bis zu ihrem Tode (15. April 1549) war ſie ihm mit unwandelbarer Liebe zugethan und bewährte im Glück und im Unglück ihre treue Anhänglichkeit.

Inzwiſchen bereiteten ſich überaus ernſte Ereigniſſe vor, welche auch den Landgrafen wieder in ihre Kreiſe zogen. In unbändiger Aufregung hatten ſich die Bauern erhoben, um den auf ihnen laſtenden Druck mit gewaffneter Hand zu entfernen. Der An⸗ fang dieſer Gährung gehört früheren Jahren an. Schon 1493 hatte im Elſaß eine Verſchwörung von Mißvergnügten ſtattgefun⸗ den, die in ihrer Fahne den Bauernſchuh führten und ſich von aller Herrſchaft frei zu machen und des Landes zu bemächtigen gedachten. Die Verſchwörung wurde verrathen, aber trotz der harten Beſtrafung der Theilnehmer tauchte der Bundſchuh 1502 in der Gegend von Bruchſal wieder auf, aber nur, um alsbald wieder mit Gewalt auseinandergeſprengt und ſcharf gezüchtigt zu werden. 1514 erhob ſich zu Lehen im Breisgau eine neue und weitverzweigte Empörung unter dem Namen des armen Konrad, doch auch dieſe unterlag bald. Bei weitem gefahrvoller war der Aufſtand, welcher im Juni 1524 um Kempten ausbrach und ſich die Löſung aller Bande des Gehorſams und die Zerſtörung aller Schlöſſer und Klöſter und was den Namen geiſtlich habe, zum Ziel ſetzte. Ganz Schwaben gerieth in Aufruhr. Vergeblich er⸗ mahnte das Reichsregiment in Eßlingen und die ſchwäbiſche Bun⸗ desverſammlung in Ulm zur Ruhe; in maßloſer Zügelloſigkeit, welche ſich durch die Anfangs errungenen Erfolge noch ſteigerte, wälzte ſich die Empörung vom Rhein und der Donau bis an den Main und von da bis zur Weſer und Elbe. Die grauſamſten Mordthaten wurden ausgeübt; viele hundert Klöſter, Burgen und adelige Höfe erlagen dem wüthenden Aufſtand, dem Luther furcht⸗ los, aber vergebens mit den Waffen des Geiſtes entgegentrat. Darum forderte er,die Obrigkeit ſolle ſich ermannen; durch