— 5—
Er rief den Adel zu ſeiner Hülfe auf, ſuchte die Städte auf ſeine Seite zu ziehen, ſchickte einen ſeiner Söhne wegen Unterſtützung nach Frankreich und wagte ſogar einen bewaffneten Einfall in die Pfalz, deren Kurfürſt dagegen die Hülfe von Trier und Heſſen in Anſpruch nahm. Im April 1523 trafen ſich die drei Fürſten in Creuznach und erſchienen zu Ende des Monats mit ihrem Kriegsvolk und Geſchütz vor Landſtuhl, einer trefflich ummauerten, auf ſteiler Höhe gelegenen Feſte, in welcher Franz ihrem Angriff bis zum Entſatz durch ſeine Freunde Widerſtand zu leiſten gedachte. „Ich habe neue Mauern,“ ließ er den Fürſten vermelden,„und ihr neues Geſchütz; das verlangt mich zu hören. Vor Trier hab' ich mein Pulver verſchoſſen und dann abziehen müſſen; hier wird es euch ebenſo ergehen, das hoffe ich.“ Seine Hoffnung täuſchte ihn. Mit Nachdruck wurde von den Verbündeten, unter denen ſich der junge Landgraf durch Muth und Geſchicklichkeit hervor⸗ that, die Belagerung eröffnet, und ſchon am erſten Tage lag der Hauptthurm in Trümmern. Am 2. Mai ließ ſich der Ritter, der erkrankt war, ins Freie führen, um den angerichteten Schaden zu ſehen, da traf ein Schuß den nächſten Balken, ein Stück des⸗ ſelben verwundete den Ritter tödtlich in der Seite, und als am 6. Mai der gehoffte Entſatz noch immer nicht erſchienen war und die beſchädigten Mauern einen längeren Widerſtand unmöglich machten, ſchickten endlich die Belagerten einen Trompeter mit einem Schreiben in das feindliche Lager. Die angeknüpften Unterhand⸗ lungen führten an demſelben Tage zu der Uebergabe der Burg, in welche am 7. die Fürſten einzogen. Zuerſt erſchien der Land⸗ graf in dem Gewölbe, wo der todtkranke Ritter Zuflucht geſucht hatte.„Franz, was iſt dir geſchehen?“ fragte er;„biſt du hart getroffen?“ Sickingen deutete auf ſeine Wunde. Der Landgraf ſprach von ſeinem Ueberfall in unmündigen Jahren; Sickingen erwiederte:„Gnädiger Herr, es fängt mancher eine Sache an und meint, es ſoll ihm wohl erſprießen, und fehlet ihm dennoch.“ Noch an demſelben Tage verſchied der in der Noth von ſeinen vormaligen Freunden gänzlich verlaſſene Ritter in Gegenwart der verbündeten Fürſten, die für ſeine Seele ein Vaterunſer beteten. Sein Fall war dadurch beſchleunigt worden, daß er ſich der Er⸗ kenntniß zu verſchließen ſtrebte, daß die Erfindung des Schieß⸗ pulvers eine Umgeſtaltung der ganzen Kriegführung bedinge. Fort⸗ an vermochten weder Helm, noch Panzer, noch der Ritterburgen Mauern der Feuerwaffe zu widerſtehen; ihr Gebrauch entſchied die Schlachten; der Uebermuth und die Fehdeluſt der Ritter, die in ihren Schlöſſern und Harniſchen nicht mehr ſicher waren, war gebrochen und das Ritterthum zerfiel. Alsbald nach der Erobe⸗ rung von Landſtuhl wurden auch Sickingen's übrige Burgen berennt. Schon am 10. Mai ergab ſich der Drachenfels an der Lauter, am


