Aufsatz 
Philipp der Großmüthige, Landgraf von Hessen, als Regent und Reichsfürst / geschildert von E. Schaumann
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an den Kaiſer wandte und die verbündeten Fürſten von der Pfalz, von Cöln und Heſſen zu Hülfe rief, ſtand Sickingen ſchon mit 8000 Landsknechten und 600 Reiſigen an der Trieriſchen Grenze. Raſch hatte er ſich der Burg Bliescaſtel bemächtigt, St. Wendel fiel nach dreimaligem Sturm ſchon am 3. Sept., und dieſer raſche Erfolg erweckte in Sickingen die kühnſten Hoffnungen. Zu den gefangenen Rittern ſprach er damals:Ihr habt euch gefangen gegeben, Waffen, Pferde, alle euere Habe eingebüßt; ihr habt jedoch einen Herrn, einen Fürſten, der, ſo lang er das bleibt, reich genug ſein wird, euch zu löſen. Sollte aber dereinſt Fran⸗ ciscus, eingeführt in die Reihe der ſieben Wahlherren, zu eines Kurfürſten Rang aufſteigen, was bereits, wie ihr ſeht, von ſeinem Willen abhängt, ſo wird er euch nicht nur dieſen euern Schaden erſetzen, ſondern auch, falls ihr euch ihm anſchließet, noch höheren Kriegerlohn euch zuwenden. Grimberg wurde hierauf am 7. Sept. von ihm genommen, und bald lagerte er vor Trier. Hier war inzwiſchen Kurfürſt Richard mit den edelſten Herren des Landes, den Grafen von Naſſau, von Iſenburg, von Solms eingetroffen, und, der Unterſtützung ſeiner Bürger gewiß, erwiederte er dem feindlichen Herold, der die Uebergabe der Stadt verlangte:Melde dem Sickinger, daß ich mit nichten die Stadt aufgebe; wenn er etwas mehr will, ſo kann er mich innerhalb der Mauern finden. Von dannen werd' ich niemals weichen. Auch auf die Vermitte⸗ lungsvorſchläge des Kurfürſten von Cöln, der ihm den Feind durch ein Geldopfer zu entfernen rieth, ging Richard nicht ein;ich viel⸗ mehr, ſprach er mit Recht,habe Schadenerſatz zu fordern. Auf eine ſo entſchloſſene Vertheidigung war Sickingen nicht ge⸗ faßt. Schon nach wenigen Tagen begann es in ſeinem Lager an Lebensmitteln, an Geld und Munition zu fehlen, und wiewohl ſich ſein Ehrgeiz mit Macht dagegen ſträubte, ſo zwang ihn den⸗ noch die ſteigende Noth und das Murren ſeines Kriegsvolks, zumal die ſichere Kunde eintraf, daß Philipp, auch vom Reichs⸗ regimente darum angegangen, an der Spitze von 9000 Heſſen zum Erſatz heranziehe, die Belagerung aufzuheben. Am 14. Sept. trat er ſeinen verheerenden Rückzug an, Kurfürſt Richard aber und ſeine Verbündeten beſchloſſen, Sickingen's und ſeiner Anhänger Uebermuth und ihre der friedlichen Entwickelung ſo ſchädliche Macht für immer zu brechen. Zuerſt rückten ſie vor die Burg Hartmuth's von Kronberg. Zwar entkam dieſer durch einen unter⸗ irdiſchen Gang, die Burg aber wurde genommen. Hierauf wurde dem Kurfürſten von Mainz, der im Verdacht geheimer Theilnahme an Sickingen's Unternehmungen ſtand, eine Entſchädigung von 25000 Goldgulden auferlegt, Salmünſter, der Sitz Frowein's von Hutten, eingenommen und am 18. October zu Frankfurt am Main das Weitere verabredet. Aber auch Sickingen regte ſich.