Aufsatz 
Philipp der Großmüthige, Landgraf von Hessen, als Regent und Reichsfürst / geschildert von E. Schaumann
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bedroht. Als der mächtigſte und reichſte Freiherr in den Rhein⸗ landen ſtand derſelbe namentlich unter der Ritterſchaft im größten Anſehen und erhöhte es noch durch ſeinen überlegenen Geiſt, ſeinen Muth und ſein Kriegsglück. Statt aber mit ſeinen glänzenden Eigenſchaften für das Beſte des Reichs zu wirken, warf er ſich leider zum Beſchützer des Raubritterthums und des Fauſtrechts auf, trug bei der Schwäche des Reichs und des bejahrten Kaiſers niemals Bedenken, den auf dem Reichstage zu Worms 1495 er⸗ neuerten allgemeinen Landfrieden nach Belieben zu brechen, und ließ in ſeinen Streitigkeiten ſtatt des Reichskammergerichts über⸗ all lieber ſein Schwert entſcheiden. Unvermuthet erließ er aus ſeinem Feldlager vor Mainz am 8. Sept. 1518 an den jungen Landgrafen einen Fehdebrief und ging ſofort mit 3000 Reitern und 10000 Mann Fußvolk über den Rhein. Faſt nirgends waren Anſtalten zur Vertheidigung gegen den plötzlichen Ueberfall getroffen, und niemand war zur Unterſtützung des bedrängten Landes be⸗ reit. Die Grafſchaft Katzenellenbogen ſtand dem Feinde offen; Gernsheim, Zwingenberg und die ganze Umgegend wurden ge⸗ brandſchatzt, geplündert oder mit Feuer und Schwert verwüſtet, Darmſtadt belagert und hier ſchon am 23. Sept., unter Vermitte⸗ lung des Markgrafen von Baden, von den heſſiſchen Hauptleuten, Räthen und Rittern mit Sickingen ein höchſt nachtheiliger Ver⸗ trag geſchloſſen. Der Landgraf ließ zwar dem Feinde, der ohne⸗ hin mit großer Beute abzog, die demſelben bewilligte Kriegsent⸗ ſchädigung von 35000 Gulden auszahlen, durch die anderen Be⸗ dingungen des übereilten Vergleiches hielt er ſich aber trotz des Ritters Mahnungen nicht gebunden, er berief ſich vielmehr, als Kaiſer Maximilian am 12. Januar 1519 geſtorben war, auf die Entſcheidung des künftigen römiſchen Königs oder auf ein Fürſten⸗ gericht und trat, von aller anderen Hülfe verlaſſen, endlich dem von den Reichsſtänden in Schwaben 1488 zur Befeſtigung des Friedens und der Reichsgeſetze geſtifteten und um die Aufrecht⸗ haltung der Ordnung ernſtlich bemühten ſchwäbiſchen Bunde bei. Deßhalb unterblieb damals ein erneuter Einfall Sickingen's, tief wurzelte aber ſeit dieſer Zeit in Philipp's Gemüth der Abſcheu vor jener gewaltthätigen Fehdeluſt, die als maßgebend nur das Recht des Stärkeren erkannte.

Nachdem er in den Jahren 1519 bis 1521 den Herzogen von Kalenberg und Wolfenbüttel, Erich IJ. und Heinrich dem Jüngeren, in ihren Streitigkeiten mit dem Biſchof Johann von Hildesheim und dem Herzoge Heinrich dem Aelteren von Lüneburg Hülfe geleiſtet und 1520 die alte Erbverbrüderung mit den ſäch⸗ ſiſchen Fürſten erneuert hatte, zog er mit 600 Reiſigen auf den Reichstag, welcher von dem 1519 gewählten Kaiſer Karl V. 1521 nach Worms ausgeſchrieben worden war. Hier ſchloß er