Aufsatz 
Philipp der Großmüthige, Landgraf von Hessen, als Regent und Reichsfürst / geschildert von E. Schaumann
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Philipp der großmüthige.

Philipp von Heſſen wurde am 13. November 1504 auf dem Schloſſe zu Marburg geboren. Sein Vater war Landgraf Wilhelm II. oder der Mittlere, der ganz Heſſen nach 42jähriger Trennung im Jahre 1500 wieder unter ſeinem Scepter vereinigt hatte, ein wohlwollender, kenntnißreicher und thatkräftiger Mann, des deutſchen Kaiſers Maximilian I. bewährter Freund; ſeine Mut⸗ ter, die Landgräfin Anna, war eine Tochter des Herzogs Magnus II. von Mecklenburg. Schon am 11. Juli 1509 verlor er ſeinen Vater. Die verwitwete Landgräfin nahm zwar die Vormundſchaft und Regierung für ſich in Anſpruch, aber die Stände ſchloſſen ſie davon aus und übertrugen beides, unter der Obervormundſchaft des erbverbrüderten Hauſes Sachſen, einer aus dem heſſiſchen Adel gewählten Regentſchaft, an deren Spitze der Landhofmeiſter Lud⸗ wig von Boyneburg ſtand. Von ſeiner Mutter getrennt wurde daher Philipp zu Caſſel unter der Aufſicht des Landhofmeiſters erzogen, bis die laut gewordene Unzufriedenheit mit des Letzteren Landesverwaltung die Stände bewog, die Landgräfin 1514 in die ihr früher verweigerten Rechte einzuſetzen. Der junge Landgraf wuchs unter den vielfachen Entbehrungen und Bedrängniſſen, welche er während dieſer Streitigkeiten erfahren mußte, zu einem kräftigen Jünglinge heran. Seiner Lieblingsbeſchäftigung, der Jagd, verdankte er eine ungewöhnliche körperliche Kraft und Ausdauer, aber neben ihr entwickelte ſich auch unaufhaltſam ſein hoher Muth und ſeine hervorragende geiſtige Begabung, durch die es ihm mög⸗ lich ward, in der Gährung einer bedeutungsvollen und gewaltig treibenden Zeit außer der treuen Liebe ſeines Volkes einen großen Namen, einen entſcheidenden Einfluß und unbeſtritten den erſten Platz unter den gleichzeitigen deutſchen Fürſten zu erringen.

In ſeinem 14. Lebensjahre übernahm er mit Bewilligung des Kaiſers Maximilian I. am 16. März 1518 die Regierung. Noch in demſelben Jahre wurde die Wohlfahrt ſeines Landes, das ſich von den bisherigen inneren Streitigkeiten kaum zu erholen begann, von einem gefährlichen Feinde, dem Ritter Franz von Sickingen,

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