Aufsatz 
Beiträge zur Lehre vom griechischen Pronomen : Ὄδε und οὗτος bei Aeschylus / von Philipp Braun
Entstehung
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Wir fanden einen Stützpunkt für unsere Untersuchung in den Stellen des Aeschylus, wo 3de und oöros Identisches bezeichnen und untermischt gebraucht sind. Aus diesen ist ersichtlich, dass das durch Pronomina zu Bezeichnende durchaus nicht immer zunächst durch 3:6 angeführt und dann durch odros weiter geführt wird, sondern oft folgen die Pronomina scheinbar in buntem Wechsel, und zwar scheint 5G«æ daselbst das räumlich und zeitlich Gegenwärtige, odros dagegen das Abwesende und Vergangene zu bezeichnen(Ag. 860 ff., 1286 ff., 1388 ff., 1414 ff. Choep. 910 und 911); 5« scheint gesetzt, wenn über Zustände, Verhältnisse u. s. w., die auch vergangen sein können, genauere Erörterungen angestellt werden, oder wenn eine Handlung berichtet wird, die noch in Zukunft zu geschehen hat, ouroc dagegen wenn Vergangenes ausdrücklich als vergangen geschildert wird(Sept. 468 ff., Suppl. 296 ff., Agam. 1380 ff., Eum. 208 f., Choeph. 716 ff.), endlich scheint öfters 566 im Gegensatz zu ouros das dem Subject Naheliegende auszudrücken, was es will, wünscht, begreift, odroc dagegen das, wogegen es sich ablehnend verhält, was ihm unbekannt, unerwünscht, missfällig, unbegreiflich ist, was es verbietet, woran es zweifelt(Prom. 997 f., Suppl. 240, 319, 458, 928, 944. Choeph. 753, 844. Eum. 51, 645 u. d. ff.). Als Bestätigung und weiterer Stützpunkt dient der Fingerzeig, den Benfey (Wörterbuch unter u und kurze Sanskritgr. S. 333 Anmerk. 1) und Windisch a. a. O. in Betreff der Etymologie von ouros geben, dass es nämlich zusammenhänge mit uta, gebildet aus dem Pronominalstamm u, dessen Zusammensetzungen die Neigung haben, in die Ferne zu zeigen). Wir vindicirten also zunächst odroc eine, ich mõchte sagen, wesentlich »semotorische« Bedeutung. Darauf wurden nun alle übrigen Stellen des Aeschylus einer Prüfung unterzogen, als deren Resultat sich herausstellte, dass, wenngleich an nicht wenigen Stellen eine Trübung des als ursprünglich angenommenen Gebrauches eingetreten sein mag, so doch in der Mchrzahl der Fälle die Spuren jener Bedeutung sich deutlich erhalten zeigten. Auf Grund dieser Beobachtung wurde die oben gemachte Eintheilung aufgestellt, in welcher abgesehen von den auf Grund untermischter Gebrauchsanwendungen fest- gestellten Unterschieden sich wesentlich noch der ergab, dass 5de gern das dem Subjecte Nahe und mit ihm in naher Berührung Stehende oder in diese Eintretende, das Subject selbst, ferner die auftretende Person bezeichne, ouros das relativ Fernere, das im Bereich einer vom Subject geschieden gedachten Person Befindliche und diese selbst.

Halten wir daran fest, dass der ursprüngliche Unterschied der beiden Pronomina in dem räumlichen Verhältnisse der bezeichneten Gegenstände lag, so wird uns ihre Ueber- tragung auf andere Verhältnisse vielleicht durch folgende Erwägung näher gerückt.

Agam. 10, 17, 363, 396, 428, 499, 542, 623, 645, 829, 922, 961, 1042, 1058, 1059, 1162, 1173, 1202, 1204, 1334, 1377, 1567. Eum. 18, 45, 46, 57, 154, 209, 215, 377, 390, 436, 438, 447, 481(cfr. 476), 545, 590, 613, 645.

*) Diese jedenfalls ursprünglichere Bedeutung halte ich zur Erklärung für völlig ausreichend. Windisch fügt nämlich hinzu, diese Zusammensetzungen seien auch geneigt, sich auf Bekanntes zu beziehen, und erklärt uta für ein Identitätspronomen, das dem spateren ν ατ schr nahe komme. Wenn aber z. B. kartri uta heisstthuend auch, so heisst es wohl eigentlichthuend ferner. Man denke auch an sanskr. va oder va-va aut-aut. Es scheint naturgemässer, aus dem Begriff der Sonderung

den der Anreihung zu entwickeln, als umgekehrt.