Aufsatz 
Beiträge zur Lehre vom griechischen Pronomen : Ὄδε und οὗτος bei Aeschylus / von Philipp Braun
Entstehung
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lichen Entwickelung stehen. Die rein geistigen Beziehungen der Pronomina sind sicher nicht die ursprünglichsten, aber sie sind thatsächlich vorhanden, wenngleich sie auch nicht überall klar hervortreten. Man wird mehr, als es bisher geschah, die Totalität des Satzes ins Auge fassen müssen, denn die zarten, vergeistigten Demonstrativa scheinen sich ausser mit Numerus und Person vielfach auch mit Zeit und Modalität in engere Beziehung zu setzen.

Zum Ausgangspunkt meiner Untersuchung möchte ich die neuerdings von Windisch (über das Relativpronomen Curtius Studien II.) geäusserte Ansicht nehmen und zwar hauptsächlich auch deshalb, weil er die Lehre des Apollonius Dyskolus zur Grundlage gemacht hat. Nach ihm(de pron. pag. 10 B bei Becker) sind die Pronomina exeꝰνοs, 5-* und odros sowol deiktisch als anaphorisch, d. h. sie können sowol die 7roνν˖ναυσος bezeichnen, indem sie auf ein noch nicht bekanntes oder erwähntes Object hindeuten, als auch die dενπνέ»νιος, indem sie ein schon bekanntes oder erwähntes Object nochmals aufnehmen. Windisch geht nun über diese allgemeine Bemerkung des Apollonius hinaus und meint, es könnten allerdings alle drei direct ein Object in der Aussenwelt bezeichnen, ouroc aber sei vorwiegend anaphorisches, 30« vorwiegend echt deiktisches Pronomen, auch sei, wenn osros auf ein Object in der Aussenwelt direct hinweise, vorher schon von dem- selben die Rede gewesen. 5«, welches für die eigentliche οαναm υυνς gelte, sei selten anaphorisch. Im Ganzen jedoch seien die Beispiele der sinnlichen Deixis selten, weit häufiger weisen die Demonstrativa auf das sprachliche Bild des realen Objectes, das Wort hin, insofern in der Sprache der Literatur die besprochenen Objecte nicht als in Wirklichkeit zugegen gedacht werden könnten. Dann gehe ouros auf vorher Erwähntes oder Bekanntes, 5- führe noch nicht Erwähntes ein und zeige es als etwas Neues. Daher werde oscos in der von der Wirklichkeit abgelösten Rede viel häufiger gebraucht. In den seltenen Fällen, wo ouroc mit 5« wechselnd direct auf Objecte hinweise, habe Ersteres die Function von sxsνοο, während dde zur Bezeichnung des Näheren diene. Nochmals bemerkt Windisch später, die Fähigkeit auf vorher Erwähntes oder allgemein Bekanntes mehr oder weniger energisch hinzuweisen, komme odroc und éxsõuos zu, die darin dem rein anaphorischen dτοc sich näherten, sei aber 5G« in der Hauptsache fremd; dieses sei das reinste und schärfste, odroc und sxeãrοs seien anaphorische Demonstrativpronomina.

Obgleich ich nun diese Bemerkungen Windisch's bei Aeschylus in einer überaus grossen Zahl von Fällen bestätigt sehe, so finde ich doch daneben 5-e in den Aeschyleischen Dramen so häufig ohne deiktische Kraft auf das vorausgegangene Bild des Gegenstandes, das Wort, bezogen, oder da zur devrsgavονςα verwendet, wo man nach Windisch ou ros erwarten sollte, oft identisch mit den dοσααα m ⁴ο des Apollonius*), dass ich für Aeschylus nicht allgemein Windisch's Annahme zugeben kann, ebenso wenig wie ich jenen Gebrauch als auf willkürlicher Freiheit oder auf Zufall beruhend zu betrachten vermag. Ich führe, ohne für Vollständigkeit zu haften, eine Reihe von Stellen an 4):

*) s. Dindorf lex Aesch. 5 3, oder Zz. B. Eumeniden 2, 7, 174, wo fast überall statt des Artic praeposit auch nach Aeschyl. Sprachgebrauch stehen könnte. **) Die Citate beziehen sich auf Dindorf, Poet. scenic. edit. V., Lips. 1869.