Aufsatz 
Beiträge zur Lehre vom griechischen Pronomen : Ὄδε und οὗτος bei Aeschylus / von Philipp Braun
Entstehung
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Einleitung.

Iu den Fragen im Gebiet der griechischen Syntax, die mir noch einer eingehenderen Behandlung zu bedürfen scheinen, gehört die über den Gebrauch von ouroc und 5dε. Die enge Verwandtschaft dieser Pronomina ist nie verkannt worden, wohl aber hat man darüber den Gegensatz beider oft übersehen oder nicht klar genug festgestellt. Dieser Fehler rührt wohl hauptsächlich davon her, dass man ein zu weites Feld der Beobachtung gewählt hat. Viele Gegensätze in Bedeutung und Gebrauch bilden sich erst in der Ent- wickelung der Sprache zu voller Schärfe aus, viele Gegensätze existirten wohl auch früher, die sich im Lauf der Zeit verwischten und ausglichen. Legt man nun für die Feststellung eines Sprachgebrauches die Sprache verschiedener Perioden zu Grunde, so muss, falls Gebrauchsveränderungen stattgefunden haben, das Bild sich trüben, und zwar wird, je mehr das Beobachtungsfeld über verschiedene Perioden sich ausdehnt, um so geringer das Maass desjenigen sein, was sich als thatsächlich feststellen lässt. Man muss also historisch vorgehen und einen abgeschlossenen Kreis möõglichst früher Erscheinungen zunächst zu Grunde legen, man wird aber auch dabei nicht vergessen dürfen, dass schon in unseren frühesten ausgedehnteren Sprachdenkmalen die griechische Sprache uns als eine hoch- entwickelte entgegentritt, in der sich schon vieles abgeschliffen hat. Wenn ich nun als Grundlage meiner Beobachtung nicht die Homerischen Gedichte, sondern die verhältniss- mässig viel jüngeren Aeschyleischen Dramen wähle, so bestimmt mich dazu abgesehen von der unangezweifelten Einheit des Ursprungs von einem Verfasser vor Allem die dramatische Gattung der Gedichte. Im Drama tritt, was für das Verständniss der Bedeutung unserer Pronomina höchst wichtig ist, weit mehr als beim Epiker die reiche Fülle lebendiger Anschauung vor. Vermöge der beständigen Rede und Gegenrede werden uns dieselben Personen, Gegenstände, Verhältnisse in reichster Abwechslung klarer Beziehungen, nach dem jeweiligen Verhältniss, in welches sich der Redende zu ihnen setzt, vorgeführt. Dazu kommt das numerisch viel günstigere Verhältniss des Gebrauchs. Wir können hier aus der Fülle der Anwendung eine grössere Anzahl bestimmter Anschauungen gewinnen als bei Homer.

Wenn die seitherige Betrachtung der Pronomina ouros und ein zu weites Feld in Angriff nahm, so war sie andererseits nicht intensiv genug. Die naheliegenden sinn- lichen Verhältnisse wurden, wenn auch nicht überall ausreichend, ins Auge gefasst, die nach dem geistigen Gebiet übergreifenden zeitlichen Seiten noch wenig berührt, die rein geistigen Beziehungen fast ganz vernachlässigt. Es ist ein Fehler zu vergessen, dass auch schon Homer und Aeschylus auf dem Boden einer hochvollendeten sprach-

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