Aufsatz 
{I. Rede zur Gedächtnis-Feier am 18. Oktober 1888 : Realgymnasium zu Cassel / gehalten von Hermann Siebert
Entstehung
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In der Stadt rast blutiger Mord; im Westen, wo der Tempel emporragt, trifft Rinalds Schwert jeden Bewehrten, der ihm entgegentritt, scheucht seine Donnerstimme und sein Flammen- blick die Waffenlosen vor sich her. Viele Bewaffnete haben sich in den festen Tempel geflüchtet; Türme und Zinnen sind mit Wurfgeschützen besetzt. Mit einem Balken rennt Rinald eine Tempel- pforte ein, seine Scharen stürmen vorwärts, bald netzen Blutbäche die Schwellen.

Solyman hat sich zu Davids Turm gewandt, auch Aladin ist dort, in der Burg Schutz zu suchen. Mit einer Eisenkeule verteidigt Solyman die Pforte; der anstürmende Raimund stürzt, an die Stirn getroffen, nieder, seine Begleiter weichen, er soll gefangen und in die Burg getragen werden. 1)a dringen die Seinen wieder vor; zugleich nahen Rinald und Gottfried von verschiedenen Seiten; So yman treibt im Angesicht dieser Gefahr seine Leute in den Turm zurück und schliesst die Pforte noch rechtzeitig. Da die Nacht einbricht, gebietet Gottfried Ruhe vom Kampf. Rinald muss die Rache an Svenos, des Dänenfürsten, Mörder verschieben. Die Krieger sollen der Verwun- deten sich anmehmen; schon zu viel ist gemordet und geplündert worden.

Solyn an sucht die in der Burg Eingeschlossenen zu ermutigen. Sie müssen sich halten, bis die Agypter kommen, die nicht mahr lange ausbleiben können. Dann werden die sorglos des Sieges sich freuenden Feinde doch noch ihren Untergang finden.

Vafrin ist geradeswegs ins Lager der Agypter gegangen, ohne Verdacht zu erwecken. Er hat sich alles angeschaut; es ist ihm geglückt, Zeuge eines Gesprächs im Feldherrnzelt zu sein, in welchem ein Kr eger sich verpflichtet mit anderen Verschworenen Gottfried zu töten und erklärt, die falschen Watfen seien schon bereit. Am anderen Tage mit dem Heere weiter zieuend, belauscht Vafrin in Armidas Zelt ein Gespräch, das ihm Rinalds besondere Gegner in den Anbetern der Zauberin verrät. Erminia endlich entdeckt ihm die Gefahr, die Gottfried droht. Acht Ritter wollen am Tage der Schlacht mit dem Kreuzeszeichen, in Weiss und Gold, die Farben von Gott- frieds Wachen, gekleidet, nur durch ein Zeichon am Helm den Agyptern als Freunde kenntlich, sich an Gottfried herand ängen, um mit vergifteten Schwert ihm den Todesstoss zu geben. Erminia selbst hat die Angaben über Gottfrieds Farben machen müssen. Bei dem Versuch von ihrem Zufluchtsort am Jordun aus Tankred wieder a'tfzufinden ist sie ägyptischen Scharen in die Hände getallen; sie kam in Emirens Gewalt, der sie Armida übergab. Von dieser flieht sie mit Vafrin dem Christenheere zu; sie kannte den Diener Tankreds von Antiochien her, ihm hat sie sich und die wichtigen Geheimnisse anvertraut. Sie kommen durch das Thal, in welchem Argant und Tankred gekämpft haben; nach dem Leichnam finden sie den Bewusstlosen. Erminias Thränen, ihr schmerz- licher Kuss auf den blei hen Mund wecken den Totgeglaubteu. Mit ihrem Schleier, ihren abge- schnittenen Locken verbiadet sie seine Wunden. Ein Trupp von Tankreds Leuten, die ihren Herrn schon lange gesucht, komnen heran. Man trägt ihn fort. Auf sein Gebot wird Argants Leichnam ihm nach zur eroberten Stadt getragen. Soll er aus dem Leben scheiden, so möchte der Held an heiliger Stätte sterben. Erininia erhält in einem Hause neben Tankred Unterkunft. Vafrin berichtet Gottfried und den Fürsten, die an Raimunds Lager sind, was er erkundet. Der weise Raimund rät am nächsten Tage nicht, wie beschlossen war, die Burg zu stürmen, sondern diese nur mit einer Beobachtungsschar zu umgeben, den KAzyptern entweder hinter den Mauern der Stadt oder im offenen Felde gegenüberzutreten, jedenfalls aber die Abzeichen von Gottfrieds Leuten zu ändern, um so die Verräter alsbald herauszufinden. Gottfried beschliesst die Feldschlacht. Alle gehen zur Ruhe, sich für den Kampf mit den Agyptern zu stärken.