Jetzt ziehen die Werkleute zum Wald und fällen die geeigneten Bäume. Ein Seemann, Wilhelm von Genua, der zum Lager gekommen, leitet kundig den Bau des Belagerungsgerätes mit hundert geschickten Bauleuten, die er mitgebracht; drei neue Türme und eine Menge von Wurf- maschinen werden erbaut. Auch die Sarazenen rüsten sich zur Verteidigung durch neue Werke, und Ismen verfertigt Feuerstoffe zur Schädigung des Belagerungszeuges.
Dem Heer der Christen zeigt sich eine Taube, die ihren Flug der Stadt zulenkt. Ein Falke erhebt sich aus dieser gegen sie, sie flieht in Gottfrieds Zelt, in seinen Schoss. Ein Faden um ihren Hals trägt einen Brief des Königs von Agypten an Aladin, diesem zu verkünden, in vier oder fünf Tagen werde das ägyptische Heer ihm Entsatz bringen. Der Angriffsplan wird entworfen. Auf Raimunds Rat wird Vafrin, ein sprachenkundiger Begleiter Tankreds, auf Kundschaft nach dem Agypterheere ausgesandt. Als Syrer verkleidet macht er sich auf den Weg.
Gottfried beginnt den Angriff am nördlichen Thor, um dorthin die besten Truppen der Feinde zu lenken. Raimund soll im Süden den Sturm wagen, Camill in der Mitte mit dem dritten Turme vorgehen. Gotttrieds Rücken müssen Guelf und die beiden Robert gegen die etwa nahenden Agypter decken. Gegen Gottfried hat Solyman, gegen Camill Argant die Mauern zu verteidigen. Aladin selbst stellt sich Raimunds Scharen entgegen. Rinald ersteigt mit den freien Rittern an steilster Stelle die Mauer auf schwanker Leiter. Gottfrieds Schar reisst mit Sicheln die Stricke eines Rammbocks entzwei, der den Turm zu stürzen droht; ein plotzlich sich erhebender Sturm wendet das von Ismen bereitete qualmende Feuer, als das Wasser zu seiner Dämpfung bereits aus- geht, auf die Belagerer zurück; Ismen und zwei ihn begleitende Zauberinnen, deren Sprüche schon neue Gefahr auf Gottfrieds Scharen häufen, werden von einem Felsblock zerschmettert, den eine Wurfmaschine aus dem Turme schleudert; der Turm rückt dicht heran, die Brücke fällt. Aber Solyman stürmt vor, sie zu zerschmettern; da naht ein neuer Turm, höher als die andern. Dem Christenführer erscheint der Erzengel Michael und zeigt ihm, wie die Geister der Gefallenen, geführt von Hugo und Dudo und Adhemar, für ihn in den Lüften kämpfen. Er ergreift die Fahne; Soly- man, der ihm den Weg über die Brücke wehren will, weicht vor dem auf der Mauer nahenden Rinald. Gottfried betritt die Mauer und pflanzt die Fahne auf. Siegesgeschrei erschallt. Tankred erscheint vom zweiten Turm her, Argant zurückwerfend, aut der Mauer; auch er pflanzt das Zeichen des Kreuzes auf. Auch Aladin weicht endlich vor Raimund. UÜber die Mauern und durch die gesprengten Thore dringen die Sieger ein in die Stadt.
XIX.
Nur Argant will nicht von der Mauer weichen. Er sieht Tankred und macht ihm den Vorwurf der Feigheit, weil er zum Zweikampf nicht wieder erschienen sei. Tankred gebietet seinen Leuten von dem Cirkassier zu lassen, er geleitet ihn zur Stadt hinaus an abgelegene Stelle, er wirft seinen Schild fort, da er sieht, dass der Feind ohne Schild ist. Argant ist der Groössere, Tankred der Behendere. Beide sind verwundet. Vom Schwertkampf gehen sie zum Ringen über. Beide stürzen. Tankred ist zuerst auf den Füssen, wieder sausen die Schwerter. Zweimal bietet Tankred dem ermatteten Gegner Frieden an, zweimal bringt dieser tückisch und wutentbrannt ihm neue Wunden bei. Um nicht selbst das Leben zu verlieren, muss Tankred, schwer verwundet, dem Schwerverwundeten den Todesstoss geben. Ein Stück noch schleppt Tankred sich weiter, dann schwinden auch ihm die Sinne.


