Aufsatz 
{I. Rede zur Gedächtnis-Feier am 18. Oktober 1888 : Realgymnasium zu Cassel / gehalten von Hermann Siebert
Entstehung
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Solyman hat ein reiterloses Ross bestiegen. Viele Feinde fallen unter seinem Schwert. Gildippe sprengt auf ihn los. Der Wüterich durchbohrt ihr die Brust. Odoardo fängt sie mit der Linken auf, die Rechte schwingt das Schwert nach dem Mörder der Teuren, aber ein Hieb Solymans trennt ihm den Arm vom Rumpfe; sterbend die Sterbende mit dem Arme umschlungen haltend, stürzt er mit ihr zu Boden. Die Kunde dringt zu Rinaldo, er sprengt heran; da wirft sich der riesenhafte Adrast ihm entgegen, der Armiden geschworen sie an Rinald zu rächen. Furchtbar saust sein Schwert auf Rinalds Helm und Nacken, aber ein einziger Streich des Helden macht den Gegner zur Leiche. Solyman hat den kurzen Kampf gesehen; ungeahntes Grauen überfälft ihn. Aber er kämpft, bis auch ihn der Todesstreich trifft. Sein Fall verbreitet Schrecken unter den Agyptern; die Kernschar des Feldherrn lässt sich mit Mühe von ihm wieder zum Stehen bringen. Tissaphern, der Armiden den gleichen Schwur wie Adrast geleistet, thut neben Emiren Wunder der Tapferkeit. Jetzt sieht er Rinald und sprengt auf ihn los. In furchtbarem Kampf empfängt er Wunde auf Wunde. Armida sieht es; sie besteigt ein Ross und entflieht. Tissaphernes eilt ihr nach; Rinald verlegt ihm den Weg. Ein furchtbarer Hieb des Gegners beugt diesem das Haupt, dann durch- bohrt Rinalds Schwert des Heiden Brust, dass er tot zu Boden stürzt.

Der Sieg ist entschieden, überall fliehen die Agypter. Jetzt ergreift Mitleid Rinaldos Herz. Er eilt Armiden nach. Sie ist in ein einsames Thal geritten, die Waffen hat sie abgelegt. Sie will den schärfsten ihrer Pfeile sich in die Brust stossen, da fällt Rinald. der sie erreicht hat, ihr in den Arm. Sie will nicht als Gefangene seinen Triumph erhöhen, sie will sterben. Er versichert ihr unter Thränen, er wolle ihr Ritter sein, wie er versprochen, ihr Reich solle ihr wieder werden; und wird sie Christin, welche Königin kann sich dann mit ihr vergleichen! Da schmilzt das Eis um ihr Herz, die alte Liebe kehrt wieder, sie folgt dem Teuren.

Emiren hat alle seine Helden fallen sehen müssen. Er sucht ehrenvollen Tod. Er findet ihn im Kampfe mit Gottfried. Nur Altamor wehrt sich noch, ohne Ross, mit zerhauenem Helm, mit geborstenem Schwert. Als Gottfried ihn auffordert sich zu ergeben, reicht er ihm den Degen, reiches Lösegeld versprechend, das Gottfried verschmäht. Gottfried übergibt den Perserkönig der Hut seiner Leute, dann säubert er das Schlachtfeld von den letzten Feinden.

So siegt Bouillon nach langem, hartem Streite; Und da der Tag noch völlig nicht entschwand, Führt er die Sieger in die schon befreite Hochheilge Stadt, wo Christi Wohnung stand. Er selber geht, an seiner Helden Seite,

Zum Tempel ein mit blutgem Kriegsgewand, Hängt hier die Waffen auf als fromme Gabe Und löset sein Gelübd' am heilgen Grabe.